Die Kryptowährung schafft einen neuen Rekordwert.

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Frankfurt – Die Digitalwährung Bitcoin setzt ihren Höhenflug fort: Nach dem 20.000 Dollar-Rekord stieg ihr Wert am späten Mittwochabend noch weiter. Um Mitternacht wurde die älteste und bekannteste Kryptowährung auf der Handelsplattform Bitstamp mit über 21.400 Euro ausgewiesen.

Der Bitcoin profitiert schon seit einiger Zeit von mehreren Entwicklungen. Grundsätzlich scheint das Interesse an Digitalwährungen in den vergangenen Monaten nach einer längeren Flaute wieder gestiegen zu sein – zumal es der große Bezahldienst Paypal seinen Kunden ermöglichen will, mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen zu bezahlen. Zudem scheint das Interesse professioneller Investoren größer geworden zu sein, nachdem sich lange Zeit vor allem Privatanleger mit kleinerer Kasse für digitale Währungen interessiert haben.

Die Kryptowährungsbranche sei ihren Kinderschuhen entwachsen, findet auch Analyst Simon Peters vom Online-Broker eToro. "Sie wird bei institutionellen Investoren immer beliebter. Anleger nutzen Bitcoin als Inflationsschutz angesichts der Aussicht auf anhaltende staatliche Konjunkturhilfen." In den USA steuern Demokraten und Republikaner im Kongress auf einen Kompromiss im Streit um ein Hilfspaket zu.

"FOMO" bei Anlegern

Daneben hätten die Pläne des Zahlungsdienstleisters PayPal, Cyber-Devisen als Zahlungsmittel zu akzeptieren, die aktuelle Rally befeuert, sagte Analyst Emden. Hinzu kämen die Gedankenspiele der Notenbanken, eigene digitale Währungen aufzulegen. "Das 'Fear of missing out'-Phänomen beherrscht das Kursgeschehen. Ein nicht unbedeutender Teil der Anleger hat schlichtweg Angst, etwas zu verpassen."

"Die Hausse hat noch gar nicht angefangen", betonte Avatrade-Experte Aslam. "Bis hier war es lediglich eine Kurserholung." Nun sei die Tür aufgestoßen zum nächsten Kursziel bei 50.000 Dollar. "Beim Gedanken daran möchte man vielleicht lachen, aber man darf nicht vergessen, wo der Kurs vor sechs Jahren stand." Ende November 2014 kostete ein Bitcoin etwa 375 Dollar. Seither hat sich der Kurs mehr als verfünfzigfacht.

Warnung vor Rückschlägen

Bitcoin-Experte Emden warnt dagegen vor Kursrückschlägen. "Investoren verschwenden derzeit keinen Gedanken an irgendwelche Risiken. Schon bald könnten Regulierungsbehörden auf den Plan gerufen werden und wieder verstärkt ein Auge auf Bitcoin und Co. werfen." Außerdem müsse mit Kritik von Notenbankern an der Kursexplosion gerechnet werden, die Kryptowährungen zumindest zeitweise den Wind aus den Segeln nähmen.

Bitcoin entstand vor etwas mehr als zehn Jahren als Reaktion auf die Finanzkrise. Anders als bei klassischen Devisen kontrollieren hier weder Staaten noch Notenbanken den Wechselkurs. Er wird allein über Angebot und Nachfrage ermittelt. Außerdem begrenzt die Software die Zahl der ausgegebenen digitalen Münzen, um Inflation zu verhindern.

Dem Branchendienst CoinMarketCap.com zufolge beläuft sich der Börsenwert sämtlicher Bitcoin derzeit auf rund 377 Milliarden Dollar. Das entspricht etwa zwei Drittel der Marktkapitalisierung sämtlicher Kryptowährungen.

Die zweitbekannteste und -wichtigste Internet-Währung ist Ethereum. Sie legte im Windschatten der Bitcoin-Rally in den vergangenen Wochen zwar ebenfalls zu, ist mit 620 Dollar aber noch weit von ihrem Rekordhoch bei 1.384,78 Dollar von Anfang 2018 entfernt. (APA, 16.12.2020)