London – In Großbritannien beschäftigt neuerlich eine Debatte über Sterbehilfe für ein Kind die Gerichte. Am Montag stattete ein zuständiger Richter des Höchstgerichts der fünfjährigen Pippa Knight einen Besuch im Evelina-Kinderkrankenhaus in London ab. Das Gericht muss entscheiden, ob die lebenserhaltenden Geräte des Mädchens abgestellt werden dürfen, das nach einer Influenza-Infektion schwere Hirnschäden davontrug und im Wachkoma liegt.

Die behandelnden Ärzte vertreten die Ansicht, dass die lebenserhaltenden Maschinen abgestellt werden sollen, um Pippa das Sterben zu ermöglichen. Dies sei im Einklang mit den Gesetzen und vor allem das Beste für des Mädchens. Aus diesem Grund leiteten sie das Verfahren in die Wege, das nun zu einer mehrtägigen Gerichtsanhörung führte.

Vertrauen in "Gottes Gesetz"

Doch die Mutter des Mädchen widerspricht der Diagnose des Spitals. Die 41-jährige Paula Parfitt erklärt, sie vertraue in "Gottes Gesetz" – und dieses verlange, menschliches Leben zu erhalten. Die Erkrankung Pippas ist nicht der erste Schicksalsschlag für die Familie: 2017 war bereits der Vater des Mädchens verstorben.

Im vergangenen Jänner stattete die Herzogin von Cambridge dem Evelina-Kinderkrankenhaus, als dessen Patin sie fungiert, einen Besuch ab. Damals lag Pippa Knight bereits seit einem Jahr in der Klinik im Wachkoma.
Foto: AP/Wigglesworth

Pippa erkrankte mit 20 Monaten und ist seither immer wieder in Spitalsbehandlung, seit Jänner 2019 liegt sie durchgehend im Kinderkrankenhaus Evelina. Während die Ärzte argumentieren, dass es keine Hoffnung gebe, dass sich der Zustand der Patientin jemals verbessern könne, argumentiert die Mutter, dass nicht voraussagbar sei, welche Fortschritte die Medizin machen könnte. Sie wünscht, dass ihre Tochter einen Luftröhrenschnitt erhält und mit einem mobilen Beatmungsgerät nach Hause überstellt wird.

Der Fall des Mädchens weckt Erinnerungen an vergleichbare Verfahren in Großbritannien: Charlie Gard starb 2017 im Alter von elf Monaten, Alfie Evans 29018 mit 23 Monaten. Beide litten an schweren Gen-Defekten. Die Gerichtsanhörung soll am Freitag zu Ende gehen. (red, 16.12.2020)