Unter "Künstlicher Intelligenz" stellen sich Menschen oft einen vernunftbegabten Roboter vor. Die Wirklichkeit hat damit zumindest derzeit recht wenig zu tun.

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Das Fragezeichen sei "das wichtigste an der Ausstellung", meinte Generaldirektor Peter Aufreiter Mittwoch Nachmittag bei der Eröffnung der neuen Sonderausstellung des Technischen Museums Wien (TMW) mit dem Titel "Künstliche Intelligenz?". Denn man wolle mit der bis Sommer nächsten Jahres geöffneten Schau nicht nur Fakten und Mythen der Künstlichen Intelligenz (KI) beleuchten, sondern auch ihre "Existenz, Wichtigkeit und tatsächlichen Nutzen hinterfragen".

Künstliche Intelligenz darzustellen ist nicht einfach, oft würden Beiträge dazu "robotisiert", wie es auf einer Station der Ausstellung einmal heißt. Und auch das TMW zeigt Roboter – vom Flötenspielautomat aus dem Jahr 1849 bis zum Serviceroboter "Cruzr" aus dem Jahr 2019, der die Besucher am Beginn der Ausstellung mit einer Einführung begrüßt. Doch KI erobert die Welt nicht in Gestalt von Robotern, sondern in Form von Algorithmen – blüht also im Verborgenen. Die Roboter würden nicht die KI repräsentieren, sondern "die Idee der Menschen von KI", so Ausstellungskurator Christian Stadelmann.

Bevölkerung

Für ihn geht es der Gesellschaft heute ähnlich wie den Menschen früher, als man die Natur nicht verstanden und daher mystifiziert habe und Einhörner und Riesen die Gedankenwelt bevölkerten. Auch die KI verstehe man nicht und deshalb werde viel hinein interpretiert. "Unter Ziel ist es, Künstliche Intelligenz zu entmystifizieren, zu zeigen, was sie kann, welche Möglichkeiten sie bietet und was sie nicht kann", so Stadelmann.

Dabei kommt auch die Schau im TMW – der dritte Teil der Ausstellungsreihe zu Innovationsthemen im Rahmen einer Kooperation mit dem Klimaschutzministerium – auf allen fünf Etagen nicht ohne Bildschirme aus. Doch angereichert mit historischen Objekten aus der Sammlung des Hauses und neuen Exponaten wie einem großen Modell eines Neuronalen Netzes werden zum Teil interaktive Einblicke in die Mensch-Maschinen-Interaktion, ins Innere von KI, ihren Einsatz im Alltag, ihr künstlerisches Potenzial und ihre Einsatzmöglichkeiten in der Mobilität – Stichwort selbstfahrende Autos – geboten.

Begleitend zur Ausstellung gibt es eine neue Museums-App, die eine kuratierte Tour durch die Schau bietet und nach einer Testphase künftig auch weitere Führungen durch das TMW bieten soll. Auch ein Ausstellungskatalog ist zur Sonderschau erschienen – aus Gründen der Nachhaltigkeit und der rasanten Entwicklung auf dem Gebiet nicht gedruckt, sondern online, wie Aufreiter betonte.

Vermittlung

Die Anstrengungen des Hauses, mittels zahlreicher umweltfreundlicher Lösungen seinen ökologischen Fußabdruck zu verringern, und die Tatsache, dass sich das Museum in seinem Leitbild und der inhaltlichen Ausrichtung von Ausstellungen und Vermittlungsprogrammen der Nachhaltigkeit verschrieben hat, würdigte Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) bei der Ausstellungseröffnung mit der Verleihung des "Österreichischen Umweltzeichens" an das TMW. Das Haus ist das erste Bundesmuseum, das diese Auszeichnung erhält.

Gewessler verwies auf den großen Einfluss, den KI bereits jetzt auf viele Lebensbereiche habe und in Zukunft noch stärker haben werde. Die Technologie eröffne aber auch im Klimaschutz neue Möglichkeiten. Aus diesem Grund werde die Forschungsförderungsgesellschaft FFG im kommenden Jahr ein neues Förderprogramm zum Thema "KI und Klimaschutz" lancieren. (APA,