Immer wieder über dieselben Dinge nachdenken und zu keiner Lösung kommen: Grübeln ist ein Symptom für psychische Krankheit.

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Das Coronavirus hat unsere Leben fest im Griff und stellt mehr oder weniger jeden vor große Voraussetzungen. Nichts ist so wie vor einem Jahr, Planen ist unmöglich und alles, was zu einem gesunden Leben gehört, verboten. Zwar sprechen alle von psychischen Belastungen, doch die wenigsten erkennen, wenn sie selbst davon betroffen sind.

Die Symptome einer depressiven Belastungsstörung können sehr vielfältig sein. Die einen machen die Belastungen aggressiv, die anderen werden vergesslich. In der Küche angekommen, weiß man plötzlich nicht, was man tun wollte. Auch Schlafstörungen sind ein eindeutiges Zeichen, dass etwas im Leben nicht in Ordnung ist.

Sorgen und Ängste

Die Auswirkungen des Lockdowns machen vielen massive Sorgen. Auf der Suche nach einer Lösung versucht das Gehirn Strategien zu entwickeln. Grübeln ist der Fachbegriff für ein Phänomen, das die Wiener Psychologin Sandra Anderl so erklärt: "Wer grübelt, denkt immer wieder über das gleiche Problem nach, ohne einen Ausweg zu sehen." In der Folge löst dieses Gefangensein in den eigenen Gedanken Depressionen aus. "Betroffene brauchen dringend Hilfe", sagt sie.

Die einfachste Form sei es, mit anderen über die Gedanken zu sprechen, sagt Anders. Doch genau das sei durch die Ausgangsbeschränkungen erschwert und damit eine zusätzliche Hürde in der Bewältigung. "Menschen sind verschieden, deshalb sind auch die Strategien zur Bewältigung einer Belastungssituation unterschiedlich", sagt die Wiener Psychologin Stephanie Deix und verweist zusammen mit ihrer Kollegin Anderl auf die Methoden der Gesundheitspsychologie und der klinischen Psychologie. Die Möglichkeiten:

  • Entlastungsgespräche, "weil Sprache beim Strukturieren hilft".
  • Aktivierung von Ressourcen: "Was tut Ihnen gut?", fragt Deix ihre Patientinnen und Patienten regelmäßig, weil sie die Erfahrung macht, dass depressive Menschen ihre eigenen Bedürfnisse vergessen.
  • Entspannungstechniken nutzen.
  • Tagesstruktur einhalten: "Den Alltag aktiv gestalten", rät Anderl ihren Klienten und Klientinnen.

Im besten Fall finden Menschen, die grübeln, auf diese Weise zu ihrer Ruhe zurück. Was dabei passiert: Man schafft es, andere Dinge gedanklich wieder in den Vordergrund zu bringen. "Durch kognitive Techniken können die Leute selbst neue Gedankengänge erlernen", sagt Anders, und damit sprichwörtlich einen Weg aus dem Gedankenlabyrinth finden. Die Probleme und Sorgen verschwinden nicht, nur der Umgang damit verändert sich. "Klingt eigentlich simpel, nur manche brauchen dafür unsere Unterstützung", so Anders. Besonders in schweren Zeiten. (Karin Pollack, 2.1.2021)