FILM

1. Regie: weiblich Die besten Filme drehten (US-)Frauen. Punkt. Kelly Reichardts "First Cow", Eliza Hittmans "Never, Rarely, Sometimes, Always" und Chloë Zhaos "Nomadland".

2. Dok-Days Frederick Wisemans "City Hall" über Demokratie im Bostoner Rathaus und Alexander Nanaus Korruptionsschocker "Collective" – Antipoden mit Nachwirkung.

3. Babylon London Aus gleich fünf exzellenten Filmen besteht Steve McQueens "Small Axe", seine Anthologie über Rassismus und Gegenwehr der karibischen Diaspora.

4. Autokino-Revival Die große Leinwand auf dem Parkplatz wird sich wohl nicht halten. Schön war das nostalgische Glotzen von Trashfilmen im Pkw aber schon.

5. Wiener Walzer Zwei Porträts voller Intimität, die trotzdem Fragen stellen: Lisa Webers "Jetzt oder morgen" und "Aufzeichnungen aus der Unterwelt" (Tizza Covi, Rainer Frimmel).

Foto: AP

MUSIK

1. Jazz – gestreamt Ein Jazzclub spielt immer! So hat das Porgy & Bess auch in Lockdowns täglich jammen lassen, Gagen bezahlt und alles live gestreamt. Kompliment.

2. Quarantäne-Alben Endlich keine Ablenkungen (und kein Geldverdienen) durch Konzerte, ab ins Studio, um aufzunehmen. Taylor Swift spielte gleich zwei Alben ein.

3. Balkonkonzerte Der erste Lockdown brachte uns das Musizieren auf Balkonien. Die Polizei feuerte aus ihren Lautsprechern mit "I am from Austria" beherzt zurück.

4. Akustische Gitarre Dass eine E-Gitarre zu spielen daheim keine gute Idee ist, davon können Eltern ein Lied singen. 2020 erlebte deshalb zarter Zupf-Folk einen Siegeszug.

5. Tiktok-Stars Gestern unbekannt, heute gewinnen sie Grammys: Musiker, die in kürzester Zeit auf der Teenie-App Tiktok viral gegangen sind. Das Phänomen wird bleiben.

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LITERATUR

1. Heimische Durchstarter Der 28-jährige Autor Leander Fischer hat mit seinem 800-seitigen Roman "Die Forelle" auf Anhieb überzeugt, Egon Christian Leitners "Sozialstaatsroman" kam dank Bachmannpreises nun endlich auch aufs Tapet.

2. Einblicke Sandra Gugić hat ein Zuwanderermilieu fassbar gemacht ("Zorn und Stille"), Candice Carty-Williams ("Queenie") das Leben als schwarze Frau, Linus Giese ("Ich bin Linus") jenes als Transperson, Mely Kiyak ("Frausein") Begriffe von Weiblichkeit.

3. Gattungsvielfalt Nobel- und Büchnerpreis gingen mit Louise Glück und Elke Erb an Lyrikerinnen, der Deutsche Buchpreis für ein Versepos an Anne Weber: 2021 lag der Fokus auf anderen Gattungen als immer nur dem Roman. Es gibt viel mehr!

Foto: Reuters

KUNST

1. Beethoven bewegt Für die Hommage an Ludwig van komponierte das Kunsthistorische Museum eine der gelungensten Ausstellungen des Jahres. Sie läuft noch bis zum 24. 1.

2. Venedig Biennale 2022 Zwar wird sie erst ein Jahr später stattfinden als zuerst geplant, dafür kann man sich aber auf einen extravaganten Beitrag Österreichs von Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl freuen.

3. Feministische Avantgarde Werke österreichischer Pionierinnen der 1970er konnte man 2020 in mehreren Schauen sehen. Am imposantesten in der Sammlung Verbund.

4. Museums for Future Am stärksten engagiert sich hierzulande das Kunsthaus Wien und setzt sich inhaltlich sowie organisatorisch für Klima- sowie Umweltthemen ein.

5. Banksy-Fail Die peinlichste Ausstellung, die 2020 in Österreich gastierte, war "The Art of Banksy", bei der es Kopien der Werke des Street-Artists zu sehen gab. Ha ha.

Foto: KHM Museumsverband

THEATER

1. Opernpsyche Auch wenn es eine Übernahme war: Dmitri Tcherniakovs "Eugen Onegin"-Version in der Staatsoper geriet zum Glanzstück der Opernpsychologie.

2. Backstage Die Rampe trat in den Hintergrund. Umso klarer wurde, wie zentral das künstlerische Team hinter Sängerinnen und Schauspielern ist. Blickverschiebung!

3. Dabei sein Stream bleibt Stream, und Theater bleibt Theater, klar. Die digitale Überbringung hat aber neues, dezentral wohnhaftes, auch internationales Publikum erreicht.

4. Salzburger Nockerl Das Wunder geschah: Es gab Festspiele, und die schnell geborene, gekürzte "Così fan tutte"-Version von Christof Loy wurde ganz wunderbar.

5. Visual Poem "Der Mensch erscheint im Holozän" (Zürich) von Alexander Giesche muss man das schönste Klimastück des Jahres nennen: entspannt und todtraurig.

Foto: Zoe Aubry

DEBATTE

1. Black Lives Matter Der Tod des schwarzen US-Bürgers George Floyd durch Polizeigewalt löst im Mai eine neue Welle des Protests gegen Rassismus aus. Viele Künstler zeigen sich solidarisch.

2. Denkmalsturm Im antirassistischen Kampf wird so manches kolonialistisch belastete Denkmal gestürmt. In Wien erfasst die Kontroverse um Erinnerungskultur das Karl-Lueger-Denkmal.

3. Kulturfinanzierung In der Pandemie kämpft die Kulturbranche ums finanzielle Überleben. Staatliche Förderung, Prekariat und soziale Absicherung werden mit neuer Dringlichkeit debattiert.

Foto: APA/ROLAND SCHLAGER