Viel zu selten treten sie vor den Vorhang. Sie arbeiten jenseits jeglichen Glamours. Und das mit Leidenschaft und einem starken inneren Anliegen: die Ehrenamtlichen im Hospizbereich. Gerade die intrinsisch starke Motivation ermöglicht ihnen mentale Stärke, Zuversicht und Fröhlichkeit in ihrer Arbeit. Ehrenamtliche erleben Zugehörigkeit und sehen, dass sie wirksam sein können. Sie erleben Dankbarkeit. Etwas, das im Berufsumfeld sehr rar geworden ist. Das motiviert viele Menschen, sich zu engagieren.

Arbeiten, die Präsenz verlangen, sind stark eingeschränkt – frustrierend auch für engagierte Ehrenamtliche.
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Durch Corona sind Zugänge zu Patientinnen und Patienten und zu Angehörigen nun schwer möglich oder werden nur unter Restriktionen bewilligt. Natürlich gilt es, die Begleitenden und die Betroffenen und deren Angehörige zu schützen. Und wieder ist es die brennende Leidenschaft, die jetzt kreative Ideen entwickelt, um den Kontakt zu halten und vielfach virtuell fortzusetzen. So werden persönliche Geschichten geschrieben, Videos oder Sprachnachrichten aufgenommen, via Skype und Whatsapp gechattet. Manches bleibt dabei auch ungelöst. Für Hospizarbeitende, die vom Dasein, von Berührungen und von Nähe leben, ist das derzeit eine herausfordernde Situation. Auch der persönliche und so wichtige Austausch in den Teams ist meist nur virtuell möglich.

In dieser schwierigen Situation erlebt auch die Hospizvereinigung den Rückzug von ehrenamtlich Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Gründen. Neue Ehrenamtliche sind im Moment schwer zu finden. So ist auch die Hospizausbildung stark eingeschränkt.

Die Suche nach Ehrenamtlichen wird zur Frage der Zukunft. Wie dabei vorgehen? Die Antworten sind auf mehreren Ebenen zu suchen:

  • Das Ehrenamt ist auch im Hospizbereich schon lange keine Freizeitbeschäftigung mehr nur für Pensionistinnen und Pensionisten. Im Gegenteil. Dieser Teil der Bewusstseinsarbeit muss in der Öffentlichkeit erst gelingen. In vielen Krisen des Landes haben es gerade Ehrenamtliche ermöglicht, Schwierigkeiten zu lindern.
  • Prominente Multiplikatoren, die sich bisher im Verborgenen ehrenamtlich engagierten, helfen, ziviles Engagement sichtbar zu machen. Und das nicht aus Imagegründen, sondern als Inspiration, Werte wie Mitgefühl oder Zuwendung ausleben zu können.
  • Einige Unternehmen verstehen ehrenamtliche Tätigkeit bereits im Rahmen von Corporate Volunteering als Teil ihrer Firmenkultur und stellen ihre Mitarbeitenden dafür frei. Nirgendwo anders lassen sich soziale Kompetenzen, Commitment und ein Wir besser erleben und trainieren als in diesen Einrichtungen. Die Hospizausbildung ist umfassend und intensiv. Die Ausbildungskosten dafür könnten durch Sponsoren unterstützt und somit reduziert werden.
  • Da Leidenschaft für diese Berufung ansteckend ist, sind die Hospizmitarbeitenden selbst die besten Recruiter, von denen punkto Identifikation viel zu lernen ist. Die direkte Ansprache von Interessierten und Betroffenen ist daher besonders erfolgversprechend.
  • Geschichten der tiefen seelischen Begegnung berühren, und Hospizbegleiter erfahren solche täglich. Diese Beispiele gehören gerade in dieser Zeit erzählt und geteilt. (Peter Pilz, Susanna Wieseneder, 26.12.2020)