Steil rauf und dann wieder ein Stück runter: So verlief der vielbeachtete Börsengang von Airbnb. Die Plattform für Vermietung von Zimmern hat sich an der Börse aber wieder erholt.

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Das heurige Börsenjahr war wahrlich geprägt von enormen Höhen und Tiefen. Die Corona-Pandemie hat zu Kursabstürzen geführt und zu megaschnellen Erholungen. Die Hoffnung, dass im kommenden Jahr die Pandemie massiv zurückgedrängt werden kann, lässt die Anleger zudem wieder risikofreudiger werden.

Dieser Optimismus hat auch den Markt für Börsengänge befeuert. In den vergangenen Tagen hat sich ein wahres Kursfeuerwerk rund um die Börsengänge der US-Essenslieferkette Doordash und des Onlineportals für Buchung und Vermietung von Unterkünften Airbnb ereignet.

Zur Erinnerung: Doordash hatte seine Aktien in einer Preisspanne von 90 bis 95 Dollar angeboten. Ausgegeben wurden die Papiere für 102 Dollar. Der erste Kurs lag bei 182 Dollar. Damit schnellte der Kurs beim Börsengang um mehr als 75 Prozent in die Höhe. Durch den Kurssprung steigerte das Unternehmen seine Börsenbewertung auf nahezu 70 Milliarden Dollar. Bei einer Finanzierungsrunde im Juni war der Konzern noch mit 16 Milliarden bewertet worden.

Ein ähnliches Bild zeigte Airbnb: Die Plattform bot die Aktien in der Preisspanne von 56 bis 60 Dollar an. Der Ausgabekurs lag bei 68 Dollar. Zum Börsenstart schnellte der Kurs auf 146 Dollar. Damit stieg das Papier an der Nasdaq um 115 Prozent. Der Online-Zimmervermieter war damit fast 102 Milliarden Dollar wert – mehr als die Konkurrenten Marriott und Expedia zusammen.

Viel Fantasie

Noch spektakulärer verlief der Börsengang des US-Softwareunternehmens Snowflake. Das Unternehmen ging Ende September an die Börse. Der Preis pro Aktie wurde während der Angebotsfrist bereits von 75 bis 85 Dollar auf die Spanne von 100 bis 110 US-Dollar erhöht. Erstzeichner mussten dann gar 120 Dollar zahlen. Der Erstkurs schoss auf 245 Dollar und lag damit mehr als doppelt so hoch im Vergleich zum Ausgabepreis. Heute kostet ein Anteilsschein mehr als 340 Dollar.

"Diese Neunotierungen drücken den Optimismus aus, mit dem die Anleger in das kommende Börsenjahr gehen", erklärt Monika Rosen-Philipp, Chefanalystin im Private Banking der Bank Austria.

Dass in diesen Börsengängen auch viel Fantasie liegt, zeigen die Folgetage: Für Airbnb ging es seit dem Börsendebüt vorerst nur bergab – der Kurs stand zwischenzeitlich bei rund 124 Dollar und hat sich zuletzt aber wieder auf mehr als 160 Dollar erholt. Das gleiche Bild bei Doordash: Seit dem Höhenflug am ersten Börsentag setzte ein stetiger Sinkflug ein – aktuell kostet eine Aktie rund 156 Dollar – eine Kurserholung ist hier noch nicht in Sicht. Denn mit der möglichen Wiedereröffnung der Gastronomie, wenn die Impfungen Wirkung zeigen, wird sich die Frage stellen, ob Essen-nach-Hause-liefern derart im Trend bleibt, wie jetzt.

Sehr hohe Bewertung

Investoren haben heuer dennoch die neu an die Börse gegangenen Tech-Unternehmen mit einem Median des 23,9-Fachen des Umsatzes bewertet, den sie in den zwölf Monaten vor dem Börsengang gemeldet hatten. Das ist mit Abstand der höchste Level der vergangenen zwei Jahrzehnte. In den meisten 2010er-Jahren lag dieser Wert bei Tech-Unternehmen etwa beim Sechsfachen des Umsatzes der vergangenen zwölf Monate. Für Aktien im Nasdaq-Composite-Index beträgt der Wert 4,3.

Dem Optimismus der Anleger stehen daher mittlerweile immer wieder Warnungen vor überzogenen Bewertungen und einer möglichen Blasenbildung gegenüber. Snowflake etwa war aufgrund der Marktkapitalisierung beim Börsengang im September mehr als 200-mal so viel wert wie der Umsatz von 489 Millionen US-Dollar in den zwölf Monaten bis Oktober.

"Die Technologie hat uns in der Pandemie gerettet", erklärt Rosen-Philipp die starke Nachfrage. Aber die zyklischen Werte – wie etwa der Tourismus – hätten mittlerweile einen großen Aufholbedarf. Wie groß dieser ist, hat sich gezeigt, als Pfizer und Biontech ihren Impfstoff verkündet haben. Kurse von Airlines, Hotelketten und Unternehmen aus der Eventbranche sind um 20 bis 40 Prozent gestiegen.

Die Tech-Affinität und das Aufholpotenzial der Zykliker sind jene beiden Pole, zwischen denen der Markt jetzt pendelt. Mit der Trading-App Robin Hood, dem Starlink-Geschäft von Elon Musks Space X und der Lebensmittel-App Instacart stehen die nächsten Tech-IPOs bereits in der Warteschlange. (Bettina Pfluger, 23.12.2020)