Der Bundespräsident. Der Kardinal. Etliche Bischöfe. Die Stadt Wien. Die Stadt Innsbruck. Bürgermeister quer durchs Land. Etliche der besten Köpfe des Landes, Künstler, Schriftsteller, Kabarettisten, Musiker – von Veteranen wie André Heller bis zu Newcomern wie dem Perkussionisten Martin Grubinger – fordern die Bundesregierung auf, ihr kaltes Bestemm aufzugeben und ein paar Familien mit Kindern aus dem Schlammloch aus Lesbos zu holen.

Das Flüchtlingslager Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos.
Foto: AP/Panagiotis Balaskas

Man könnte es die "So sind wir nicht"-Initiative nennen, in Anlehnung an ein Wort des Bundespräsidenten zum Ibiza-Skandal. Oder die "Wir haben Platz"-Aktion, ebenfalls ein Wort von Van der Bellen. Die Bundesregierung ist allerdings nicht der wirkliche Ansprechpartner. Ja, der türkise Teil der Regierung mit Kanzler Kurz an der Spitze verweigert stur jedes Nachgeben. Die Grünen sind hilflos.

Aber der wahre Adressat sind die Bürger. Oder jene vielen, die keine Kinder aufnehmen wollen. Weil sie allerhand Befürchtungen haben. Laut einer Umfrage vom September ist eine knappe Mehrheit (46 Prozent) für die Aufnahme, aber 44 Prozent sind dagegen.

Ein Appell an Kurz ist ziemlich sinnlos, weil er die rechten Wähler nicht vergrämen will. Daher sollte die Frage an diese Bürger gerichtet werden: Ist es wirklich nicht zu verkraften, ein paar Leute aus dem Elend herauszubringen? Stürzt Österreich deswegen ein? Sind wir wirklich so? (Hans Rauscher, 23.12.2020)