Die Causa Timnit Gebru ist noch nicht ausgestanden, da brodelt es bei Google wieder intern.

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Die Turbulenzen bei Google nehmen kein Ende. Der Abgang der prominenten KI-Forscherin Timnit Gebru sorgte für Protest und einen offenen Brief von über 2000 Mitarbeitern, die Aufklärung der dubiosen Umstände von Gebrus Ausscheiden aus dem Unternehmen. Zuletzt kündigte Konzernchef Sundar Pichai persönlich eine Untersuchung an.

Während diese Causa also noch nicht ausgestanden ist, sorgt nun ein ähnlicher Fall für Ärger, schreibt NBC. Die Personalmaagerin April Curley machte öffentlich, dass sie im September entlassen wurde. Dem vorangegangen seien zahlreiche problematische Vorfälle.

Belästigung und Herabwürdigung

So berichtet Curley, dass sie trotz guter Arbeit in Verbesserungsprogramme gesteckt und ihr Gehalt reduziert wurde, ihr Lohnerhöhrungen und Führungsrollen vorenthalten wurden. Manager hätten sie angeschrien und von Meetings ausgeschlossen. Ihre Vorgesetzte, eine weiße Frau, habe ihr gar gesagt, dass ihr Baltimore-Akzent eine "Behinderung" sei, ein anderer habe sie gefragt, mit welchen Teammitgliedern sie gerne schlafen würde. Die Manager, die sie belästigt hätten, hätten auch andere schwarze Frauen angegriffen.

Sie sei 2014 angestellt worden, um für mehr Diversität bei Einstellungen zu sorgen und speziell um das Verhältnis zwischen Google und jenen Colleges und Universitäten (HBCU) zu verbessern, die hauptsächlich von Afroamerikanern besucht werden. Vor ihrem Start hätte kein einziger HBU-Absolvent bei Google im Techbereich gearbeitet. Unter ihr seien über 300 in entsprechenden Positionen angestellt worden.

Konzern soll Bewerber von weniger bekannten Unis aussortiert haben

Sie sieht ihre Entlassung als Reaktion darauf, dass sie konsequent auf Rassismus innerhalb des Unternehmens hingewiesen habe. Eine von ihr kritisierte Praxis sei es etwa gewesen, Bewerber von Universitäten mit weniger bekanntem Namen routinemäßig auszusortieren. "Fuck Google", schloss sie eine Reihe von Tweets ab. Eine Reihe von ehemaligen HBCU-Studenten veröffentlichte unterstützende Botschaften und erklärten, wie wichtig ihre Präsenz auf dem Campus ihrer Schulen und Universittäen gewesen sei.

Das "Black Googler Network", eine Gruppierung von dunkelhäutigen Mitarbeitern innerhalb des Konzerns, kritisiert schon länger fehlende Repräsentation und Unterstützung. Im Sommer trafen sich führende Vertreter des Netzwerks mit Sundar Pichai und anderen Führungskräften des Konzerns und übergaben dort auch eine Liste an Forderungen. Das Unternehmen versprach letztlich allerdings nur, dass die Einstellungsquote "unterrepräsentierter" Gruppen für Führungsjobs bis 2025 auf 30 Prozent angehoben werden soll.

Google schweigt

Eine NBC-Untersuchung stellte zudem fest, dass Google seine Programme für Diversität und Inklusion deutlich zurückgefahren hat. Aktuelle und ehemalige Mitarbeiter erklärten, dass das Unternehmen damit Vorwürfen des "anti-konservativen Bias" entgegen wirken wollte, was seitens Google aber dementiert wurde. Ein Angestellter gibt zum Fall von April Curley an, dass ihn die Situation generell daran erinnert, was passiert, wenn schwarze Frauen bei Google versuchten, etwas am Status Quo nachhaltig zu ändern. Dies würde üblicherweise in ihrer Entlassung enden.

Wie es in diesem Fall nun weiter geht, bleibt abzuwarten. Google hat gegenüber Daily Dot auf seine Bemühungen zur vermehrten Einstellung von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Ethnizität verwiesen. "Wir stimmen nicht damit überein, wie April ihre Kündigung beschreibt", erklärt man zu den Vorwürfen. "Aber es ist nicht angemessen für uns, ihre Behauptungen zu kommentieren." (red, 24.12.2020)

Update, 18:40 Uhr: Stellungnahme von Google ergänzt.