Migranten am Sonntag im Lager Lipa.

Foto: REUTERS/Dado Ruvic

Drohnenaufnahme des Lagers.

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Bihać – Sie versuchen sich unter dem Plastikzelt vor dem Schnee zu schützen. Es hat um die null Grad. Einige der Männer sind bereits krank geworden. Etwa 800 Migranten befinden sich zurzeit in dem abgebrannten und unbetreuten Lager Lipa in Nordwestbosnien. Am Mittwoch haben einige Migranten drei der riesengroßen Zelte im Lager angezündet, nachdem das Camp geschlossen worden war. Sie wollten damit offenbar dagegen protestieren, dass es nun überhaupt keine Unterkunft mehr für sie gibt.

Nach dem Brand brachen die Migranten Richtung Bihać auf. Doch die lokale Polizei ließ sie nicht in die Stadt hinein, sondern brachte sie wieder zurück nach Lipa. Einige Hundert schafften es, in wilde Lager oder in Abbruchhäuser zu gelangen, in denen sie mitten im Dreck mit etwa 1.500 anderen Migranten hausen.

ABC News (Australia)

In Lipa befinden sich noch 800 Leute – meist Pakistaner und Afghanen – in dem einzig noch stehen gebliebenen Essenszelt, das aber unbeheizt ist. Die derzeitige humanitäre Krise basiert auf der fehlenden politischen Entscheidung, ein anderes Lager zu öffnen.

Halle Bira als Lösung

Der Leiter der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Bosnien-Herzegowina, Peter Van der Auweraert warnt seit langem davor, dass ohne politische Lösung Migranten in der Kälte sterben werden. Er moniert, dass das Zelt unter der Schneelast einbrechen könnte.

Doch die Regierung des Kantons Una-Sana weigert sich trotz der Anweisung des staatlichen Sicherheitsministeriums, die Halle Bira in Bihać wieder zu öffnen, wo die Migranten überwintern könnten. Bira ist im Sommer geschlossen worden, weil die lokale Bevölkerung dies gefordert hatte. (Adelheid Wölfl, 28.12.2020)