Instagram-Sucht könnte eine anerkannte Suchterkrankung werden.

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Erstmals wollen Mediziner aus Malaysia am Gehirn ablesen können, ob Menschen ein problematisches Instagram-Nutzungsverhalten aufweisen. Nachdem bereits 2013 die Glücksspielsucht und 2019 die Computerspielsucht in Diagnosehandbücher übernommen wurden, könnte mit den neuen Erkenntnissen der malaysischen Forscher die Liste der anerkannten Suchtdiagnosen weiter wachsen, berichtet "Heise".

Demnach bestand unter Psychologen und Psychiatern lange Zeit Konsens darüber, dass nur im Zusammenhang mit Substanzen wie Alkohol und anderen Drogen von Suchterkrankungen gesprochen wird.

Gefährdet oder nicht gefährdet

Ziel des Teams rund um die Radiologin Nisha Syed Nasser von der Putra-Universität in Serdang war es nun herauszufinden, ob bei Testpersonen Hinweise auf eine Instagram-Sucht gefunden werden können. Mittels Kernspintomografie untersuchten sie dafür die Gehirnaktivierung der teilnehmenden Personen, deren Instagram-Nutzung mittels Befragung als problematisch eingestuft werden konnte.

Für die Rekrutierung wurden Studenten angeworben. Von der Teilnahme ausgeschlossen waren dabei unter anderem Personen mit bereits vorhandenen Suchterkrankungen oder schweren Depressionen. Insgesamt zwölf Fragen mussten 1.060 Studierenden im Rahmen eines "Modified Instagram Addiction"-Tests beantworten. Wer bei der anschließenden Gewichtung über die Hälfte der erreichbaren Punkte erzielte, galt als gefährdet, so "Heise".

Suchtgefahr vermutet

Für die nachfolgenden Tests suchten die Forscher dann 15 Personen mit problematischer Nutzung aus und stellten eine Kontrollgruppe in derselben Größe zusammen. Unter Überwachung wurden den Teilnehmern dann Instagram-artige Bilder gezeigt, die sie entweder liken oder weiterklicken konnten.

Bei Probanden mit problematischem Nutzungsverhalten konnte dabei eine vergleichsweise starke Aktivierung des auf Dopamin reagierenden Belohnungsnetzwerks und eine gleichzeitige Deaktivierung des Kontrollnetzwerks im Gehirn beobachtet werden. Die Mediziner legen deshalb nahe, dass es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Instagram-Sucht und anderen Arten der Abhängigkeit gibt.

Mit Vorsicht zu genießen

Es ist jedoch zu beachten, dass die Gruppe mit problematischerem Verhalten auch höhere Werte für Ängstlichkeit, Depressivität und Stress angab, gibt "Heise" zu bedenken. Zudem ist die Stichprobe sehr klein, repräsentativ sind die Ergebnisse bisher also nicht. Bis weitere Untersuchungen zum Thema durchgeführt werden, sollte man die Ergebnisse also mit Vorsicht genießen. (red, 29.12.2020)