Israel geht rasch voran beim Impfen.

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Der dritte Lockdown könnte der letzte sein: Das ist in Israel nicht nur ein frommer Wunsch. Das Neun-Millionen-Einwohner-Land hat es geschafft, in nur neun Tagen fast eine halbe Million Menschen mit der ersten Teilimpfung des Pfizer-Vakzins gegen Covid-19 zu versorgen. Die Zahl der Geimpften sei nun höher als die Zahl der Israelis, die sich seit Beginn der Pandemie infiziert haben, jubelte Gesundheitsminister Yuli Edelstein am Dienstag auf Twitter. Wobei er die Dunkelziffer der unentdeckten Infektionen außer Acht ließ.

Vorerst können sich nur Ältere, chronisch Kranke und Menschen in Gesundheitsberufen impfen lassen. Jeder vierte Israeli über 60 Jahre ist bereits teilimmunisiert. Damit ist Israel Weltrekordhalter in puncto Pro-Kopf-Durchimpfung. Ab Donnerstag kommen die Lehrer dran, in rund zehn Tagen dann der Rest der Bevölkerung.

Verschiedene Ursachen

Wenn es so weitergeht, könnte Israel die Gefahr der Epidemie bereits im März gebannt haben, sagt Eran Segal vom Weizmann-Institut. Israels Rekordtempo hat mehrere Gründe. So verfügt das Land, etwa im Gegensatz zu den USA, über eine gut ausgebaute, universale Primärversorgung – ein entscheidender Vorteil, wie Epidemiologin Ora Paltiel von der Hebräischen Universität in Jerusalem im STANDARD-Gespräch sagt. Geimpft wird in Kassenambulatorien und in eigens errichteten Impfzentren.

Zudem war das Echo unter den älteren Israelis von Beginn an überraschend groß. So groß, dass viele vertröstet werden mussten. Zumindest zwei Krankenkassen vergeben derzeit keine Termine. Dass ein Engpass drohen könnte, wird im Gesundheitsministerium dementiert: Israel habe derzeit 3,2 Millionen Dosen vorrätig, weitere 600.000 würden noch im Lauf dieser Woche eintreffen, heißt es. Weitere vier Millionen Dosen von Pfizer und eine Million Dosen des Moderna-Impfstoffs werden für Februar erwartet. (Maria Sterkl aus Jerusalem, 29.12.2020)