Wie lange geht das noch gut?

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London – Der FC Chelsea lag bereits in Trümmern, da verzweifelte Timo Werner an der Eckfahne. Abgekämpft wollte der deutsche Angreifer nach einem Abend zum Vergessen nur schnell den Standard ausführen. Der 24-Jährige trat jedoch unbeholfen gegen die Fahne, der Ball rollte ins Feld, und Werner tat sich dabei auch noch weh. Mit schmerzerfülltem Gesicht ging er in die Knie. Die sozialen Medien explodierten vor Häme über den bisherigen Höhepunkt der Chelsea-Krise.

Der symbolträchtigen 88. Minute des Premier-League-Topspiels gegen ein übermächtiges Manchester City (1:3) folgten nach dem Schlusspfiff Spekulationen, ob Teammanager Frank Lampard noch tragbar ist. Laut dem Portal "The Athletic" ist der Job des 42-Jährigen "ernsthaft in Gefahr". Der Klub des russischen Eigners Roman Abramowitsch soll sich mit Nachfolgeszenarien beschäftigen, der bei Paris St. Germain entlassene Thomas Tuchel war zuvor medial ein Thema.

Lampard hat im Sommer rund 250 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben – und weist mit 1,67 Punkten den schwächsten Schnitt aller Chelsea-Coaches seit dem Abramowitsch-Einstieg 2003 auf. Vier der vergangenen sechs Ligaspiele hat er vergeigt, die Champions-League-Ränge geraten außer Sichtweite. Dabei wollten die Blues dem FC Liverpool den Meistertitel streitig machen.

Nicht besorgt

Lampard gab sich nach der Niederlage gegen City gelassen. "Ich bin nicht besorgt", sagte er nach der Partie, in der ein Klassenunterschied zu sehen war. "Ich habe die Mannschaft gerade noch einmal daran erinnert, dass ich schwierige Phasen erwartet habe." Schon das 1:3 bei Arsenal am Boxing Day und das 1:1 gegen Aston Villa hatten die Gemüter erhitzt.

"Ich glaube nicht, dass Frank noch viel Zeit bekommt", sagte Irlands früherer Fußballstar Roy Keane auf Sky. Werner hat seit zwölf Spielen kein Tor erzielt, Kai Havertz kommt nach schwererem Corona-Verlauf nur von der Bank. Beide kosteten zusammen 143 Millionen Euro, als sie aus Leipzig und Leverkusen kamen. Wenn Lampard das Duo nicht schnell in Schwung bringt, wird er sehr wahrscheinlich ersetzt.

Seine Erklärung für die Probleme der Jungprofis klingt von Woche zu Woche ähnlich: Sie müssten sich erst daran gewöhnen, wie es in der beinharten Liga zugeht. "Kai ist jung, und Timo ist jung, und sie haben noch nie in der Premier League gespielt", sagte Lampard. "Viele Erwartungen sind einfach unrealistisch." (sid, red, 4.1.2021)