Der Permafrost im hohen Norden hat erneut einen paläontologischen Schatz freigegeben.
Foto: AP/Valery Plotnikov/Mammoth Fauna Study Department at the Academy of Sciences of Yakutia

Wissenschafter haben im tauenden Permafrostboden Sibiriens ein verblüffend gut erhaltenes Wollnashorn entdeckt. Der im vergangenen August in der Republik Jakutien im äußersten Norden Russlands geborgene Kadaver enthielt sogar noch einige innere Organe. Damit gilt es nach Angaben der beteiligten Wissenschafter als das am besten erhaltene Wollnashorn (Coelodonta antiquitatis), das in dieser Region bisher gefunden wurde.

Dass das kleine Horn des Jungtiers gefunden wurde, werten die Forscher als besonderen Glücksfall. Normalerweise verrottet dieses Gewebe relativ rasch.
Foto: Valery Plotnikov

Vermutlich ertrunkenes Jungtier

Die vorläufigen Untersuchungen lassen darauf schließen, dass es sich um ein Jungtier im Alter von drei bis vier Jahren handelt, das vor etwa 20.000 bis 50.000 Jahren gestorben ist. Neben Teilen des haselnussfarbenen Fells und Weichteilresten stellten die Forscher auch Zähne, Fett und sogar sein kleines Horn sicher. "Das junge Nashorn lebte offenbar getrennt von seiner Mutter, als es höchstwahrscheinlich durch Ertrinken ums Leben kam", sagte Projektleiter Valery Plotnikov von der Akademie der Wissenschaften der Republik Sacha (Jakutien) gegenüber der "Siberian Times".

Das Wollnashorn gilt als vollständigstes seiner Art.

Ähnlicher Fund vor sechs Jahren

Das Geschlecht des Tieres sei noch unbekannt, außerdem warte man noch auf die exakte Altersbestimmung durch die Radiocarbonstoffanalysen. Entdeckt wurden die Überreste des Tieres am Ufer des Flusses Tirekhtyakh unweit jener Stelle, an der 2014 der bis dahin vollständigste Wollnashorn-Kadaver gefunden worden war. Das nach einem seiner Finder "Sasha" getaufte Exemplar besaß ein helles Fell und wurde auf 34.000 Jahre datiert.

Video: Der Wollnasnorn-Kadaver kurz nach dem Fund.
The Siberian Times

Das nun ausgegrabene Nashorn mit seinem dichten, kurzen Unterfell untermauert, was durch Sasha erstmals bewiesen werden konnte: dass Wollnashörner tatsächlich am ganzen Körper von Haaren bedeckt waren – etwas, das vorher nur an Höhlenmalereien zu erkennen gewesen war.

Gut verpackt und transportfertig wartet das Nashorn auf die Reise in die Republikhauptstadt Jakutsk.
Foto: AP/Valery Plotnikov/Mammoth Fauna Study Department at the Academy of Sciences of Yakutia

Bald weitere Untersuchungen

Derzeit befindet sich die eiszeitliche Kreatur noch in der Nähe des Fundortes, wo sie auf den Transport in die Republikhauptstadt Jakutsk wartet, um im kommenden Monat von Wissenschaftern weiter untersucht zu werden. Jakutien ist bekannt für seine spektakulären Tierfunde im tauenden Permafrost: Die prähistorische Menagerie umfasst mittlerweile unter anderem Mammuts, Höhlenlöwen, Pferde und riesige Wölfe. (tberg, 4.1.2021)