Der Anführer der Proud Boys im Einsatz als "War Boy" im September in Portland.

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Washington – Vor einer geplanten Demonstration von Anhängern des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump ist der Anführer der rechtsradikalen Gruppe "Proud Boys" in Washington verhaftet worden. Gegen Henry "Enrique" Tarrio sei ein Haftbefehl wegen des Vorwurfs der Sachbeschädigung am Rande einer Pro-Trump-Demonstration in Washington im vergangenen Monat vorgelegen, teilte die Polizei in der US-Hauptstadt mit.

Der 36-Jährige habe außerdem zwei Schusswaffen-Magazine mit sich geführt, was in Washington verboten ist. Laut Washington Post bezieht sich der Sachbeschädigungsvorwurf auf das Verbrennen eines Black-Lives-Matter-Transparents, das von einer Kirche entwendet worden sei. Tarrio habe der Zeitung damals gesagt, er habe zu jenen gehört, die das Transparent verbrannt hätten.

Keine Anerkennung

Tarrio, der in Miami lebt, wurde demnach am Montag verhaftet, als er in die Hauptstadt kam. Dort riefen Trump-Unterstützer für Mittwoch erneut zu einer Demonstration auf. Trump teilte am Montag auf Twitter einen Aufruf zur Teilnahme an dem Protest in der Nähe des Weißen Hauses. Am selben Tag soll der Kongress das Ergebnis der Präsidentenwahl vom 3. November zertifizieren, die der Demokrat Joe Biden gewonnen hat.

Der Republikaner Trump und viele seiner Anhänger erkennen Bidens Wahlsieg nicht an. Sie behaupten, es sei zu massivem Wahlbetrug gekommen, wofür es keine Beweise gibt. Bereits bei zwei Demonstrationen im November und im Dezember hatten sich in Washington tausende Unterstützer Trumps versammelt, darunter zahlreiche Anhänger der "Proud Boys". Am Rande der Proteste kam es vereinzelt zu Zusammenstößen.

Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser forderte die Einwohner am Montag dazu auf, Konfrontationen mit gewaltbereiten Demonstranten zu vermeiden. Sie riet dazu, dem Gebiet der Proteste am kommenden Mittwoch fernzubleiben.

Keine Verurteilung

Trump hatte im Wahlkampf mit Aussagen über die "Proud Boys" Begeisterung im rechten Spektrum ausgelöst. In einer TV-Debatte mit Biden hatte er sich geweigert, sich von rechtsradikalen Gruppen zu distanzieren. "Wen soll ich verurteilen?", fragte der Präsident damals. Biden warf daraufhin den Namen "Proud Boys" ein. Trump sagte dann: "'Proud Boys' – haltet euch zurück und haltet euch bereit."

Das Trump-Lager wollte das anschließend als Aufruf gegen Gewalt verstanden wissen. Die "Proud Boys" fühlten sich durch die Aussage laut Medienberichten aber ermutigt. Bei den jüngsten Pro-Trump-Demonstrationen in Washington trugen Mitglieder der Gruppierung T-Shirts mit Trumps Worten. Der in Florida aufgewachsene Tarrio bezeichnet sich als Afro-Kubaner und "American Supremacist", ein Amerikaner, der anderen Zugehörigkeitsgruppen überlegen ist.

Die US-Bürgerrechtsorganisation ADL stuft die "Proud Boys" als unkonventionelle Strömung im rechten amerikanischen Extremismus ein. Die Gruppe könne unter anderem als gewalttätig, nationalistisch und islamophob beschrieben werden, heißt es auf der Seite der ADL. Es sei bekannt, dass Mitglieder gewalttätige Taktiken anwenden. Mehrere von ihnen seien wegen Gewaltverbrechen verurteilt worden. (APA, red, 5.1.2021)