Österreichs große Unternehmen wollen möglichst bald impfen, müssen aber auch warten.

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Das Rennen um den Impfstoff hat begonnen. Nach wie vor gibt es wenige genaue Informationen darüber, wer wann geimpft wird. Viele österreichische Unternehmen, die wegen ihrer Aufgaben zur sogenannten kritischen Infrastruktur zählen, haben sich daher bereits im Vorfeld mit der Regierung in Verbindung gesetzt, damit ihre Mitarbeiter möglichst früh immunisiert werden können. Erste "Einmeldungen" wurden bereits aufgegeben, geimpft wird aber noch nicht, wie ein Rundruf des STANDARD bei heimischen Unternehmen zeigt.

Derzeit können laut Gesundheitsministerium bei der Bundesbeschaffungsbehörde (BBG) allerdings noch keine Bestellungen für Unternehmen eingehen.

ORF sieht sich als Vorbild

Beim ORF etwa wünscht man sich eine "möglichst frühe Impfmöglichkeit", wie es aus der Pressestelle heißt. Erstrebenswert sei diese "für die Mitarbeiter der kritischen ORF-Infrastruktur (Technik, Journalisten etc.)". In welcher der späteren Impftranchen das umsetzbar ist, werde jedoch erst der nationale Impfplan zeigen, denn wer wann geimpft werde, lege "ausschließlich die Bundesregierung in ihrer nationalen Impfstrategie fest". Der ORF als "kritische Infrastruktur und unbestrittene Hauptnachrichtenquelle der Österreicherinnen und Österreicher" sei jedenfalls "bemüht, sich in den Dienst dieser niederschwelligen und dezentralen Test- und Impfstrategie zu stellen", lässt man am Küniglberg wissen.

Wann wird geimpft? Das weiß offenbar noch niemand so genau.
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Und der ORF will teilen: Man sei bereit, die Strukturen nicht nur den ORF-Mitarbeitern, sondern auch Kollegen anderer österreichischer Medienbetriebe zur Verfügung zu stellen. Der ORF beruft sich bei alldem auf die "deutliche Vorbildwirkung und das Verantwortungsbewusstsein" seiner Belegschaft, die sich an der "hohen Teilnahme der ORF-Mitarbeiter und ihrer Angehörigen an den Testmöglichkeiten bei den ORF-Standorten" gezeigt hätten.

Wrabetz preschte vor

Zuvor war ein internes Schreiben von ORF-Chef Alexander Wrabetz bekannt geworden, in dem er die Test- und Impfstrategie des ORF beschrieb und bereits ankündigte, dass Ende Februar, Anfang März geimpft werde. Demnach sei es "in intensiven Gesprächskontakten mit dem Gesundheitsministerium gelungen, den ORF als kritische Infrastruktur in die Tranche II der Bundesimpfstrategie zu bringen". Und er hatte angekündigt, dass der ORF "Ende Februar/Anfang März über eine ausreichende Dosenanzahl" des Impfstoffs verfügen werde.

Er, Wrabetz, beabsichtige, dass alle Test- und Impfangebote des ORF auch den im gemeinsamen Haushalt lebenden Angehörigen und ab 7. und 8. Jänner auch allen Auftragnehmern und Dienstleistern des ORF zur Verfügung stehen, so zitierte die Onlineplattform "Zackzack" aus dem Brief.

Banken wollen rasch drankommen

Auch Institutionen wie die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) und Großbanken werden sich in den Impfplan der Regierung integrieren. Die Notenbank als Teil der kritischen Infrastruktur wurde von den Behörden bereits nach ihrem Bedarf an Impfstoffdosen gefragt, das werde man nun einmelden, heißt es dort. Details, wer wann geimpft wird, kennt man in der OeNB aber noch nicht. Was man bereits weiß: "Wir wollen unsere Leute so bald wie möglich geimpft haben", so ein OeNB-Sprecher.

Dasselbe gilt für die Erste Group, die aber von sich aus noch im Jänner eine interne Kommunikationskampagne zum Thema starten wird, weil man Informationen über die Impfung für "erfolgsentscheidend" halte, erklärt ein Pressesprecher. Die Bank beschäftigt rund 9.000 Mitarbeiter in Österreich (die Sparkassen-Belegschaft nicht eingerechnet), Erfahrung mit Impfaktion habe man bereits gesammelt, wie es heißt. So habe man im Vorjahr rund 4.000 Mitarbeiter binnen zwei Wochen gegen Grippe geimpft.

Bestellung erfolgt

Auch die österreichische Unicredit-Tochter Bank Austria wurde von den Gesundheitsbehörden bereits nach ihrem Bedarf an Impfstoff gefragt. Das Institut will seinen Mitarbeitern über das eigene Health-Center eine Impfung zur Verfügung stellen. Wann das sein wird und welcher Impfstoff verabreicht wird, sei unklar.

Die Bestellung sei bereits erfolgt, heißt es eher vage beim Flughafen Wien. Gemeint ist damit wohl die Einmeldung bei der BBG. Dieser zählt zur sogenannten kritischen Infrastruktur, wie Vorstandsmitglied Günther Ofner auf Anfrage erklärt. Als solche gebe es für alle Angestellten schon sehr bald eine Impfmöglichkeit. Ofner hofft, dass die Impfung zu einer Reisefreiheit wie vor der Covid-19-Pandemie führen wird.

Fliegend impfen

Auch beim österreichischen Flugzeugzulieferer FACC will man so schnell wie möglich mit der Impfung beginnen – und zwar im Betrieb selbst. Laut Konzernchef Robert Machtlinger könnten die vier Betriebsärzte innerhalb von drei Tagen rund 3.000 Mitarbeiter impfen. Der Vorgang sei seit Jahren aufgrund der betrieblichen Grippeimpfung geübt, für den Fall der Fälle fühlt sich Machtlinger gut aufgestellt. Bei FACC wird seit Mitte November im Zweiwochentakt auch getestet, beinahe die gesamte Belegschaft würde das Angebot annehmen, wie es heißt.

Die OMV wurde als Unternehmen der kritischen Infrastruktur eingeladen, den eigenen Bedarf zu melden. Das will der Konzern in den nächsten Tagen tun. Ziel sei, Impfungen für alle Mitarbeiter in Österreich zu bekommen, nicht aber für deren Angehörige, teilte ein Pressesprecher mit. Die Injektion soll von den eigenen Arbeitsmedizinern verabreicht werden.

Rund 400 Unternehmen gelten in Österreich als kritische Infrastruktur. Gemeinsam mit den Behörden wurden anhand eines Kriterienkataloges weitere ca. 180 Unternehmen definiert, die lockdownbedingt eine besondere Rolle in der Versorgung spielen, heißt es aus der Wirtschaftskammer – etwa in der Nahrungsmittelproduktion. Diese Betriebe – die auch über eine betriebsärztliche Struktur verfügen – haben die Möglichkeit, sich als Impfstelle zu registrieren und erhalten dann über die Bundesbeschaffungsagentur den Zugang, Impfdosen zu reservieren. Wann dann tatsächlich genau geimpft wird und mit welchem Serum, ist weiterhin offen.

Nach Informationen des Gesundheitsministeriums sind bei der Bundesbeschaffungsbehörde noch keine Impfstoff-Bestellungen für Betriebe eingegangen. "Für Unternehmen ist das aktuell auch gar nicht möglich", heißt es aus der Pressestelle. Bestellungen im e-Shop der BBG seien derzeit lediglich für Alten- und Pflegeheime und Covid-Stationen möglich. Erst in der zweiten bzw. dritten Phase wird der Zugang auch für systemrelevante Unternehmen laufend geöffnet. Das könne auch bedeuten, dass innerhalb eines Betriebs nicht alle Mitarbeiter auf einmal eine Impfung erhalten, wie es heißt. (bpf, gra, lauf, rebu, stro, 5.1.2020)