Anhänger von Julian Assange haben vor einem Londoner Gericht für die Freilassung des WikiLeaks-Gründers demonstriert.

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Wikileaks-Gründer Julian Assange bleibt in Großbritannien in Haft. Ein Gericht in London lehnte am Mittwoch den Antrag der Verteidigung ab, den 49-Jährigen gegen Kaution freizulassen. Es bestehe Fluchtgefahr, erklärte Richterin Vanessa Baraitser. Am Montag hatte sie entschieden, dass der 49-Jährige nicht an die USA ausgeliefert werden darf.

Der Anwalt von Assange hatte für eine Freilassung des Wikileaks-Gründers gegen Kaution geworben. Die Ablehnung des US-Auslieferungsantrags am vergangenen Montag habe die Lage für den 49-Jährigen geändert, sagte Edward Fitzgerald am Mittwoch während der Verhandlung in London. Assange habe keinen Grund, aus dem Land zu fliehen, sondern vertraue dem ordnungsgemäßen Verfahren in Großbritannien.

Die US-Ankläger hatten hingegen vor einer Freilassung des Wikileaks-Gründers gegen Kaution gewarnt. "Er hat gezeigt, dass er sehr viel auf sich nehmen kann, um einer Auslieferung zu entgehen", sagte die US-Vertreterin vor Gericht, Clair Dobbin. Die Anwältin verwies auf Assanges Flucht in die Botschaft von Ecuador sowie Hilfs- und Asylangebote vor allem lateinamerikanischer Staaten wie zuletzt Mexiko.

Suizidgefahr

Am Montag hatte das Londoner Strafgericht Old Bailey eine Auslieferung Assanges an die USA wegen gesundheitlicher Bedenken blockiert. Richterin Baraitser hatte die abgelehnte Auslieferung damit begründet, dass in der drohenden Isolationshaft in den USA akute Suizidgefahr bestehe. Das US-Justizministerium will dagegen aber in Revision gehen. Baraitser sagte am Mittwoch, der Ausgang der Berufung sei noch offen.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen sieht dennoch keine großen Erfolgschancen mehr für die US-Justiz, die nun versucht Assanges Auslieferung mit einer Berufung zu erwirken . "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine Berufung der USA Erfolg haben wird", sagte die Londoner Vertreterin der Organisation, Rebecca Vincent. "Ich sehe nicht, welche neuen Argumente die Anwälte vor Gericht einbringen könnten."

Geheimdokumente

Die US-Justiz wirft dem gebürtigen Australier vor, gemeinsam mit der Whistleblowerin Chelsea Manning – damals Bradley Manning – geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan gestohlen und veröffentlicht zu haben. Er habe damit das Leben von US-Informanten in Gefahr gebracht. Assange und seine Anwälte wehren sich gegen die Darstellung: Er sei ein investigativer Journalist, der Kriegsverbrechen ans Licht gebracht hat.

Bei einer Verurteilung in den USA drohen Assange laut seinen Anwälten Jahrzehnte Haft. Die Vereinigten Staaten werfen ihm unter anderem Verstoß gegen ein Spionagegesetz vor. (fmo, Reuters, APA, 6.1.2021)