Anfang Jänner jährte sich der US-Angriff auf den iranischen General Ghassem Soleimani. Seiner wurde unter anderem mit Plakaten gedacht.

Foto: Reuters / Wana News Agency

"Die Demokratie in den USA ist schwach und ein Fiasko." Irans Präsident Hassan Rohani nutzte bei einer Kabinettssitzung am Donnerstag die Gelegenheit für einen kritischen Kommentar zu den Ereignissen rund um den Sturm rechtsradikaler Anhänger von Präsident Donald Trump auf den Kongress in Washington. In vielen Medien war da noch nichts davon zu lesen. Denn wegen eines Feiertags erschienen im Iran am Freitag keine Zeitungen, und am Donnerstag erreichte die Nachricht erst nach Druckschluss die Redaktionen, sodass mit ersten Reaktionen der Printmedien erst am Samstag zu rechnen ist.

Umso stärker waren die Reaktionen in den soziale Medien. Eine klammheimliche Freude scheint bei den Politikern im Iran erkennbar. Das macht sich in Interviews und Kommentaren bemerkbar, die auch im Radio und Fernsehen ausgestrahlt werden. Meist kommen konservative Kommentatoren zu Wort, sodass ihre negative Meinung über die USA von vornherein merklich ist.

Finger am Atomknopf

Außenminister Mohammed Jawad Zarif sprach auf seinem Twitter-Feed von "einem unkontrollierbaren Präsidenten, der Rache an seinen Landleuten ausübt". Dieser habe "noch mehr Unrecht gegen uns und andere Nationen ausgeübt". Das Schlimmste aber sei, dass diese Person die Kontrolle über die Atomwaffen habe. Das beunruhige die internationale Gemeinschaft.

Zur Sorge, der US-Präsident könnte sich zum Schluss noch in eine kriegerische Außenpolitik flüchten, überwiegen in den soziale Medien die Zweifel. Dort meinen die meisten, dass in den letzten Tagen der Präsidentschaft für Trump kaum mehr die Möglichkeit bestehe, den Iran anzugreifen. Eine Minderheit teilt aber diese Meinung nicht und merkt an, Trump sei für seine spontanen und unüberlegten Handlungen bekannt.

Jahrestag des Angriffs

Vor allem zu Jahresbeginn hatte es die Sorge gegeben, die Spannungen zwischen Washington und Teheran könnten in weitere Gewalt ausufern. Denn fast gleichzeitig zu den Unruhen in Washington jährte sich auch der US-Angriff auf den iranischen General Ghasem Soleimani in Baghdad und der darauf folgende Abschusses des ukrainischen Flugzeugs in der Nähe von Teheran durch die Revolutionsgarde, bei dem mehr als 170 Menschen, hauptsächlich Iranerinnen und Iraner, ums Leben kamen.

Dieser Flugzeugabsturz und die Reaktion der offiziellen Stellen und die Reaktion Präsident Hassan Rohanis, in der er nur eine Person neben einer Institution dafür verantwortlich machte, ohne konkret die Einzelheiten zu erläutern, konnte die Familien der Getöteten nicht beruhigen und überschattete auch die Ereignisse in den USA. (Amir Loghmany, 8.1.2021)