Durch auffällige Ergebnisse bei PCR-Tests wurden die 17 Verdachtsfälle entdeckt.

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Jochberg – In der Tiroler Gemeinde Jochberg (Bezirk Kitzbühel) liegt in 17 Fällen konkreter Verdacht auf Infektionen mit der in Großbritannien aufgetretenen Coronavirus-Mutation vor. Eine Erstprüfung durch die Ages habe dies ergeben, teilte das Land am Dienstag in einer Aussendung mit. Mit einem endgültigen Ergebnis sei in einer Woche zu rechnen, hieß es. Zuvor waren bei PCR-Tests Auffälligkeiten festgestellt worden.

Der Jochberger Bürgermeister Günter Resch (FPÖ) bestätigte gegenüber dem STANDARD, dass insgesamt 38 Personen, offenbar britischer Herkunft, zur Skilehrer-Anwärterprüfung in Jochberg aufhältig sind. Einige von ihnen seit Mitte Oktober, andere kamen erst im Dezember. Eigentlich hätten die Briten schon im Oktober die Ausbildung beginnen sollen, doch wegen der Corona-Pandemie wurde der Start immer wieder verschoben. Sie hätten nach absolvierter Ausbildung in Jochberg zum Einsatz kommen sollen.

Briten in drei Personalhäusern untergebracht

Die 38 Personen sind in drei Personalhäusern untergebracht. In einem davon wurden nun 17 Personen positiv auf das Coronavirus getestet. Die beiden anderen Häuser seien ohne Infektionen, so der Bürgermeister. Die Briten seien über ein örtliches Unternehmen, das im Ort und der Region Skischulen betreibt, im Land.

Der Geschäftsführer sagte gegenüber dem STANDARD, dass er seit Jahren auch britische Skilehrer beschäftige und die Aufregung um die Fälle nicht verstehe. Denn die meisten seien bereits seit Oktober im Land, die letzten der Gruppe kamen Mitte Dezember, noch vor den Reisebeschränkungen gegenüber Großbritannien aufgrund der dort aufgetretenen Virus-Mutation. Das deckt sich mit der Information der Behörden.

Quarantäne endet am Mittwoch

Das Land Tirol erläuterte am Dienstagabend den bisherigen Ablauf der Testungen in Jochberg. So seien am 3. Jänner bei den betroffenen Personen positive Antigen-Testergebnisse festgestanden. Im Zuge routinemäßiger Prüfungen durch das Labor wurden am Samstag, den 9. Jänner, Auffälligkeiten gemeldet. Daher sei eine erneute Probenabnahme veranlasst worden, die in weiterer Folge am Sonntag an die Ages nach Wien geliefert wurde. Montagabend standen die Ergebnisse der Erstprüfung fest, so die Landes-Auskunft.

Die Betroffenen befinden sich seit 3. Jänner für zumindest 10 Tage in Quarantäne. Das deckt sich mit der Information der Skischule, die die Briten ausbildet. Die Geschäftsführung bestätigt gegenüber dem STANDARD, dass positiv Getesteten großteils symptomlos geblieben seien, und ab Mittwoch, den 13. Jänner, von der Quarantäne befreit werden. Das Testergebnis der Ages, ob unter den auffälligen Fällen einer mit der Mutation B.1.1.7. war, wird es allerdings erst kommende Woche erwartet.

Bizarre Optik, aber rechtlich in Ordnung

Der Arbeitsrechts-Experte Martin Gruber-Risak von der Universität Wien erklärt, dass ungeachtet einer "gewissen Bizarrität" das rechtliche Problem in dem Fall nach den bisher vorliegenden Informationen "überschaubar" ist. Denn es handelt sich letztlich um Arbeitskräfte, die zum Zweck der Ausbildung und der Aussicht auf eine nachfolgende Anstellung im Land sind. Solange die Einreise gemäß den Corona-Bestimmungen erfolgt ist, spreche nichts gegen einen Aufenthalt und die Ausbildung in Tirol. Gruber-Risak veranschaulicht das mit einem Vergleich: "Das ist so, wie wenn eine Fabrik einen Mitarbeiter nach Österreich holt, um ihn hier an einer Maschine einzuschulen."

Der Bund ordnete indes an, die Bevölkerung in Jochberg ab sofort umfassend auf das Coronavirus zu testen. Die rund 1500 Einwohner der Gemeinde können ab heute kostenlos PCR-Tests in Kitzbühel durchführen lassen. Den Bürgern wurde dringend empfohlen, einen PCR-Test durchführen zu lassen. Offenbar wird wegen des Clusters in Jochberg auch diskutiert, ob die Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel wie geplant stattfinden können. Offizielle Bestätigungen dazu stehen aber noch aus.

Derzeit mehrere Schneesportlehrer-Ausbildungen in Tirol

Auch der Tiroler Skilehrerverband bietet derzeit mehrere Ausbildungen für Ski-, Snowboard- oder Langlauf-Lehrer im ganzen Land an. Laut Homepage finden im Jänner 2021 sechs Kurse statt – in Biberwier, in der Axamer Lizum, in Alpbach, in Galtür und in Kitzbühel. (Steffen Arora, 12.1.2020)