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Die Impfung ist ein Weg aus der Pandemie. Apotheker und Hausärzte sind derzeit mit einer brennenden Frage konfrontiert. "Wann bekomme ich einen Impfstoff?", wollen aktuell tausende Menschen wissen. Insofern wird auch der Österreichische Impftag am 23. Jänner, der virtuell stattfindet, unter dem Motto "Covid-Impfstoffe und ihre Herausforderungen: erhofft – gefürchtet – verfügbar" stehen.

Die Impfbereitschaft der Österreicher und Österreicherinnen scheint hoch zu sein. Nach einer Umfrage des Nachrichtenmagazins "Profil" sind 50 Prozent der Bevölkerung bereit, sich impfen zu lassen, noch höher ist die Bereitschaft unter Medizinern und Medizinerinnen. Laut Blitzumfrage der Wiener Ärztekammer sind es sogar 75 Prozent. Am Freitag beginnen die Impfaktionen.

"Wir sehen, dass der Mangel für Nachfrage sorgt", sagt Gerhard Kobinger, Vorstandsmitglied der steirischen Apothekerkammer, der jedoch schätzt, dass derzeit rund 40 Prozent der Menschen in Österreich noch unentschlossen sind. Zwei bis fünf Prozent seien harte Impfgegner, die sich nicht überzeugen ließen, glaubt er. "Die Impfung wird nur helfen, wenn genügend Menschen sie auch in Anspruch nehmen."

Ist die Impfung sicher

Eine der großen Sorgen: Wie sicher ist der mRNA-Impfstoff, der nach einem Verfahren hergestellt wurde, das es so noch nie zuvor gegeben hat?

Laut Ursula Wiedermann-Schmidt, Vorsitzende des Nationalen Impfgremiums, können die mRNA-Impfstoffe wie Totimpfstoffe gewertet werden und dementsprechend zum Einsatz kommen. Langzeiterfahrungen stehen – wie bei jedem neu zugelassen Impfstoff oder Arzneimittel naturgemäß noch aus – aber alle laufenden Erkenntnisse und Beobachtungen werden kontinuierlich erfasst und in die Impfempfehlungen des Nationalen Impfgremiums eingearbeitet. "Living Document" ist der Fachbegriff für dieses Dokument, das ständig auf den neuesten Stand gebracht wird. Wiedermann-Schmidt betont: "Das Wissen um die Wirkung, Dauer des Impfschutzes, die Reduktion der Viruslast durch die Impfung und vieles mehr erweitert sich kontinuierlich und wird von uns transparent kommuniziert werden."

Sorgen bei Schwangerschaft

Es gibt keine Zulassungsdaten zur Covid-Impfung bei Schwangerschaft, und daher wird auch die Impfung während der Schwangerschaft derzeit nicht empfohlen. Tierexperimentelle Studien lassen nicht auf direkte oder indirekte schädliche Wirkungen in Bezug auf Schwangerschaft schließen. Es handelt sich daher zurzeit bei diesen Vorgaben um reine Vorsichtsmaßnahmen.

Wenn junge Frauen geimpft werden und zeitnah zu den Impfungen ungewollt schwanger werden, bedeutet das keine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch. Die Schwangerschaft ist auch nicht als Risikoschwangerschaft einzustufen.

Junge Mütter, die ihre Babys stillen, können sich impfen lassen – eine Impfung sollte nicht vom Stillen abhalten. Es sei nicht zu erwarten, dass der Impfstoff oder Bestandteile desselben in die Muttermilch übertreten und sich daraus irgendein theoretisches Risiko ableiten ließe, so Wiedermann-Schmidt. Im Gegensatz dazu sind die positiven Effekte des Stillens allgemein bekannt. Es sollte daher im zeitlichen Kontext mit der Impfung nicht abgestillt werden.

Bei der mRNA-Impfung stellt die Zelle das gewünschte Protein zur Entwicklung von Antigenen selbst her, exakt nach der molekularen "Gebrauchsanweisung" – der Körper produziert also selbst, was er zur Immunisierung benötigt. Im Fall von Sars-CoV-2 sind es die Spike-Proteine des Virus. "Die Übernahme des Bauplans ist ein ganz kurzer Prozess, der an der Oberfläche der Zellen stattfindet", erklärt Wiedermann-Schmidt, "die mRNA gelangt niemals direkt in den Zellkern und damit auch mit hundertprozentiger Sicherheit nicht in das menschliche Genom. Die Immunantwort richtet sich immer nur gegen das Fremde, also das Virus."

Personalisiert impfen für Risikopatienten

Große Sorgen machen sich all jene Patienten und Patientinnen, deren Immunsystem aufgrund einer Behandlung eingeschränkt ist, also etwa Menschen mit HIV, nach und während einer Krebstherapie oder mit Autoimmunerkrankungen. Wiedermann-Schmidt spricht sich bei dieser Gruppe für "personalisiertes Impfen" aus. Also Impfen nicht im Routinebetrieb, sondern nach Rücksprache mit den behandelnden Ärzten. Wobei die Vakzinologin betont: "Es geht nicht um die Frage, ob eine Impfung für Risikogruppen gefährlich ist, sondern darum, ob sie genauso gut wirksam ist." Sie habe keine Bedenken, Menschen mit immunologischen Vorerkrankungen mit dem mRNA-Impfstoff zu immunisieren.

Noch ansteckend oder nicht

Apropos Immunisierung: Eine der offenen Fragen ist derzeit auch, ob die Impfung vor Ansteckung schützt. Durch die Zulassungsstudien ist gesichert, dass sie die Erkrankung verhindert und vor schweren Verläufen schützt. Allerdings wurde bei den tausenden Studienprobanden nicht speziell eine eventuelle Viruslast überprüft, die auf eine Ansteckungsgefahr hinweisen würde.

Zur Erklärung: Das Immunsystem besteht aus vielen unterschiedlichen Zellen. Sobald neutralisierende Antikörper nachgewiesen werden, geht man von einer sterilisierenden Wirkung der Impfung aus. Sprich: der Tatsache, dass Geimpfte das Virus nicht weitergeben können. In präklinischen Studien gibt es Hinweise, dass das der Fall ist. Doch genau solche Fragen werden derzeit in den Anwendungsstudien beantwortet. Bis die Daten vorliegen, müssen auch Geimpfte weiter den Mund-Nasen-Schutz tragen und die Hygiene- und Abstandsregeln beachten.

Welcher Impfstoff ist der beste?

Rudolf Schmitzberger, Leiter des Impfreferates der Österreichischen Ärztekammer, kennt auch die Diskussionen darüber, welche Impfstoff nun der beste ist, und warnt vor einer Diskussion, in der vielleicht auch der Preis für die Impfungen eine Rolle spielen könnte. "Alle Impfstoffe haben ihre Sicherheit und Wirksamkeit nach den gleichen Kriterien in den Zulassungsstudien bewiesen", sagt er. Und Wiedermann-Schmidt: "Auf die Daten des noch nicht zugelassenen Impfstoffes von Astra Zeneca warten wir noch."

Sicher ist sich die Vakzinologin, dass die Grundimmunisierung durch zwei Impfstoffdosen durch dasselbe Vakzin erfolgen sollte. Noch wüsste man nicht, wie lange die Wirkung anhält. Sollte sich herausstellen, dass jährliche Nachimpfungen für einen Impfschutz notwendig sind, könne man ein Jahr später die Auffrischungsimpfung eines anderen Herstellers verwenden.

Impflücken durch Lockdown

Auffrischung ist im Rahmen des Impftages allerdings auch ein brisantes Thema. Durch die Covid-Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns sind Impflücken in der Bevölkerung entstanden, warnte die WHO unlängst. Die Experten fordern unisono, den persönlichen Impfstatus zu checken, vor allem Eltern sollten ihre Kinder gemäß dem österreichischen Impfplan impfen lassen. Älteren Menschen wird die Pneumokokken-Impfung empfohlen und beiden Gruppen die Influenza-Impfung. "Noch ist es nicht zu spät für die Influenza."

Letztes Jahr habe es zudem doppelt so viele FSME-Fälle wie im Jahr davor gegeben, warnt Kobinger, der nicht ausschließen kann, dass die Influenza dieses Jahr erst verspätet kommen könnte. "Ein Zusammenfallen von Covid und Influenza könnte das Gesundheitssystem nicht verkraften", betont Wiedermann-Schmidt. Und die Grippe macht, anders als Corona, nicht nur ältere Menschen, sondern auch Kinder schwer krank. (Karin Pollack, 13.1.2021)