Bei Black-Lives-Matter-Protesten kam es zu Polizeigewalt.

Foto: AP / John Minchillo

Die Bilder der Kapitolstürmer in Washington gingen vergangene Woche um die Welt. Sie zeigten neben einem geschändeten Parlament auch eine heillos überforderte Capitol Police, die dem aufgestachelten rechten Mob nichts entgegenzuhalten hatte – ein Polizist starb, als er versuchte, die Eindringlinge aufzuhalten.

Im Vergleich dazu traten die US-Behörden im Sommer gegenüber den linken Demonstranten der Bewegung Black Lives Matter (BLM) überaus robust auf und ließen eine ganze Armada von vermummten Nationalgardisten vor dem nun attackierten Kapitol aufmarschieren. In Portland, einer Hochburg der linken Gegner von US-Präsident Donald Trump, kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei.

Eine Studie, aus der die britische Tageszeitung "Guardian" am Donnerstag zitierte, gießt nun in Zahlen, was Beobachter schon seit längerem vermuten: Die Polizei in den USA setzt mit dreimal höherer Wahrscheinlichkeit gewaltsame Mittel wie Tränengas, Pfefferspray, Gummigeschoße oder den Schlagstock gegen linke Demonstranten – etwa jene aus dem BLM-Spektrum – ein als gegen Rechte, die etwa zur Unterstützung von Trump oder gegen Corona-Maßnahmen auf die Straße gingen.

Meist friedliche Proteste

Dies geht aus einer Untersuchung von insgesamt 13.000 Kundgebungen seit April 2020 in den USA hervor, die Forscher der Universität Princeton zusammen mit der Nonprofit-Organisation Armed Conflict Location and Event Data Project (ACLED) durchgeführt haben.

Während die allermeisten Proteste sowohl vonseiten der Demonstranten als auch der Polizei friedlich bleiben, setzten die Sicherheitskräfte bei 511 linken Kundgebungen Gewalt ein, aber nur bei 33 rechtsgerichteten. Insgesamt errechneten die Statistiker eine Wahrscheinlichkeit von 4,7 Prozent bei linken Demonstrationen und 1,3 Prozent bei rechten Protesten, dass die Polizei mit gewaltsamen Mitteln einschreitet.

"Ein klarer Trend"

Die Diskrepanz nimmt den Forschungen zufolge weiter zu, wenn ausschließlich die friedlichen Demonstrationen berücksichtigt werden. Dort, sagte ACLED-Forschungsdirektor Roudabeh Kishi dem Guardian, sei die Wahrscheinlichkeit sogar dreieinhalbmal höher, dass die Polizei gewaltsam gegen linke Demonstranten vorgeht: "Das ist ein klarer Trend."
(Florian Niederndorfer, 14.1.2021)