Am Tag nach dem Sturm auf das Kapitol fanden sich auf einer Marmorbüste Blutspuren: Zachary Taylor (12. Präsident der Vereinigten Staaten) harrt nun der "Behandlung" der Restauratoren.

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Die Trump-Anhänger seien zwar "rechte Dumpfbacken, aber man muss schon auch sagen, dass sie vor allem Werbung für mein neues Buch machen wollten", witzelte Franzobel dieser Tage auf Facebook. Seinen Kommentar illustrierte er mit der Aufnahme, die einen Rechtsextremen zeigt, der während des Sturms auf das Kapitol in Washington, D.C., neben der Statue von Gerald Ford posierte. Linker Hand ist der Teil eines zwischen 1847 und 1853 geschaffenen Gemäldes erkennbar, in dem der US-amerikanische Historienmaler William Henry Powell die Entdeckung des Mississippi durch Hernando de Soto im Jahr 1541 thematisierte.

De Soto ist jener Entdecker, dem der österreichische Schriftsteller seinen bald erscheinenden Roman Die Eroberung Amerikas widmete. Dem Mob, gegen den Behörden wegen Inlandsterrorismus ermitteln, eine Bühne geben? Ironie, Zwinkersmiley, besänftigte Franzobel.

Vor Ort ist freilich niemandem zum Scherzen zumute, dazu sitzt der Schock zu tief und gibt die Situation zu sehr weiterhin berechtigten Anlass zur Sorge. Ehemalige und aktive Kuratoren aus der für die Kunst und Architektur des Gebäudes zuständigen Abteilung hatten, wie sie der New York Times schilderten, den Angriff der Trump-Anhänger im Fernsehen verfolgt: wie sie zwischen den Statuen und Porträts bekannter Persönlichkeiten und ehemaliger Präsidenten randalierten und Konföderierten- oder "Trump Is My President"-Fahnen schwenkten.

Spur der Verwüstung

Anderntags bot sich ein Bild der Verwüstung, auch der Zerstörung von historischem Mobiliar. Die im Kapitol verteilten Kunstwerke hatten den Einmarsch der Marodeure mit geringfügigen Schäden überstanden, wie ein erster Augenschein ergab: Aufgrund des Einsatzes von Tränengas und Pfefferspray müssen einige gereinigt und konserviert werden.

Auf der Marmorbüste Zachary Taylors, des zwölften Präsidenten der Vereinigten Staaten, fanden sich Blutspuren. Einiges dürfte, Ermittlungen zufolge, gestohlen worden sein, welche Objekte, war bis Redaktionsschluss nicht bekannt.

Der Alltag rückte kurzfristig auch in der Kunstszene in den Hintergrund. Dabei hatte der US-Senat am 1. Jänner den National Defense Authorization Act for 2021 verabschiedet, jenes Bundesgesetz, das den Etat des Verteidigungsministeriums und damit auch das Budget der US-Streitkräfte bestimmt. Aktuell wurden darin neue Regeln festgelegt, die den Kunstmarkt betreffen.

Vertreter der Nationalgarde sind mittlerweile in das Kapitol eingezogen. Hier eine Patrouille in der Rotunde, die acht großformatige Gemälde ziert. Einige der im Kapitol verteilten Kunstwerke müssen nun restauriert werden.
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Neue Geldwäsche-Richtlinien

Konkret geht es um Richtlinien im Zusammenhang mit der Verhinderung von Geldwäsche, wenngleich deutlich weniger rigoros als in der Europäischen Union. Jedenfalls unterliegt der Kunst- bzw. Antiquitätenhandel nunmehr den gesetzlichen Bestimmungen, die das Bankgeheimnis regeln und eine Registrierung der letztlich wirtschaftlichen Eigentümer von Gesellschaften verlangen.

Im Visier hat man freilich alle Konstruktionen, die zur Verhinderung von Transparenz üblich sind. Folglich auch Briefkastenfirmen oder Gesellschaften, deren tatsächliche Aktionäre unbekannt bleiben, wie Nicholas M. O’Donnell, Partner der Bostoner Kanzlei Sullivan & Worcester, in seinem Blog Art Law Report jüngst analysierte.

Auch wenn derzeit noch einige Detailfragen offen sind, so handelt es sich um einen wichtigen Schritt zur Regulierung des US-amerikanischen Kunstmarktes. Das Financial Crimes Enforcement Network, eine Bundesbehörde im Geschäftsbereich des US-Finanzministeriums, die für die Bekämpfung der illegalen Nutzung des Finanzsystems zuständig ist, wurde mit einer Studie zum Thema Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung im Kunsthandel beauftragt.

O’Donnell hegt Zweifel an ihrer Kompetenz und fordert Akteure des Kunsthandels auf, sich aktiv einzubringen. Denn andernfalls gingen die Regulierungsbehörden womöglich unbelegbaren Klischees oder Zahlen über den Marktwert des illegalen Handels (siehe Unesco) auf den Leim. (Olga Kronsteiner, 16.1.2021)