Mario Matt hat kein Verständnis für Testmuffel und Impfgegner.

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"Insgesamt hatte ich sechs Wochen hohes Fieber, bin sieben Wochen im Bett gelegen. Es war schon wie ein Albtraum", erzählt Mario Matt, dessen Familie bereits im Mai von Covid-19 heimgesucht wurde. Während Frau und Tochter nur leichte Symptome spürten, wurde der Slalom-Olympiasieger (2014 in Sotschi) vom Virus regelrecht niedergestreckt und verbrachte sogar ein paar Tage im Krankenhaus.

Alles in allem sei es "mühsam" gewesen. "Man kann sich vorstellen, wie man beieinander ist, wenn man hohes Fieber hat." Letztlich hat er es gut überstanden, Folgeschäden sind ausgeblieben. Doch die Angelegenheit hat ihn für Corona sensibilisiert. Er versteht die Leute nicht, die glauben, sie müssten sich nicht testen lassen, weil ihnen eh nichts fehle. "Das ist völliger Schwachsinn. Zu 90 Prozent fehlt eh nichts, aber wenn man zu den anderen paar Prozent gehört, dann kann es lästig sein oder blöd ausgehen", sagt der Pferdezüchter.

Die Kritik am Skifahren während des Lockdowns kann Matt nicht nachvollziehen. "Die Bilder vom Osten haben gezeigt, dass ein bisserl mehr Leute sind, aber ansonsten sind die meisten Skigebiete komplett leer", sagt der 41-Jährige aus Flirsch am Arlberg. "Bei uns sind normal bis zu 20.000 Leute und jetzt gerade mal 500 am Wochenende. Das ist gar nichts. Da besteht kein Risiko einer Ansteckung. Es ist schon wichtig, dass wir das Privileg in Österreich haben, diese Skigebiete zu haben und den Sport ausüben zu dürfen."

Silberstreif am Horizont

Der Slalomweltmeister von St. Anton 2001 und Are 2007 wünscht sich, "dass jeder Otto Normalverbraucher so schnell wie möglich daheim Schnelltests machen kann". Und die Impfung sieht er als "einzigen Lichtblick, dass wir wieder ein normales Leben kriegen". Impfgegner versteht er überhaupt nicht. Die weiter hohen Infektionszahlen nach Wochen des Lockdowns erklärt sich Matt so: "Es gibt wahrscheinlich nach wie vor zu viele Leute, die sich nicht an die Regeln halten." Skirennläufer hingegen verhielten sich vorbildlich. Jeder sei froh, dass Rennen gefahren werden können. "Und wenn man die Abstände einhält, dann ist es überhaupt kein Problem."

Damit sein jüngerer, im Weltcup aktiver Bruder Michael Matt den Abstand zur Spitze verringern kann, hat er mit ihm über Weihnachten "gut trainiert und intensiv gearbeitet". Das dürfte gefruchtet haben. Nach durchwachsenem Saisonstart schauten mit Laufbestzeiten in Zagreb und Adelboden zwei respektable vierte Plätze heraus. "Er weiß, dass er angreifen und drauflosfahren kann. Es ist jederzeit alles für ihn möglich", schätzt er.

Sensation am Ganslern

Dass auch für ihn alles möglich sei, schnallte er beim Slalom in Wengen 2000, als er mit Startnummer 46 auf Halbzeitrang sechs gefahren und im Finale mit Riesenvorsprung ausgefallen war. Scherzte er mit seinem Servicemann bei der Heimfahrt noch, dass sie (!) nun eben Kitzbühel gewinnen würden, machte er den Sieg am Ganslern am folgenden Wochenende mit Startnummer 47 perfekt. Er gewann sein erstes von 15 Weltcuprennen beim erst dritten Antreten just in Kitzbühel – mit 0,98 Sekunden Vorsprung auf den Slowenen Matjar Vrhovnik. Damit löschte er den Rekord des Italieners Piero Gros, der 1972 mit Startnummer 42 in Madonna gewonnen hatte.

Hustinettenpep

"Dass das so eintraf, war schon ein Wahnsinn." sagt Matt. Einiges sei noch sehr präsent. Etwa, dass er im ersten Lauf nach "schweren Fehlern" glaubte, "voll riskieren zu müssen, um wenigstens die Qualifikation für die Entscheidung zu schaffen. Ich hatte aber so einen Speed, dass ich als Zweiter abgeschwungen habe. Das war sehr überraschend."

Matt verstand es damals besser als die Konkurrenten, die neuen Carver richtig einzusetzen. Davor sei es eher eine "Hackerei" mit kurz angesetzten Schwüngen gewesen. "Ich habe gleich verstanden, dass ich den Schwung länger ausziehe, den Ski auf der Taillierung fahre. Und das ist nach wie vor einfach das Schnellste." In jungen Jahren ist er unbekümmert drauflosgefahren. "Es ist wichtig, dass man das so beibehalten kann", sagt er. Zwischen den Läufen oder vor dem Start nachzudenken sei nicht förderlich.

Mario Matt unterwegs in Wengen 2001, als Österreich einen Fünffachsieg feierte. Benjamin Raich gewann vor Rainer Schönfelder, Matt, Florian Seer und Kilian Albrecht.
Foto: REUTERS/Marcus Gyger

Was ein Sieg in Kitzbühel bedeute, darüber hat sich Matt keine Gedanken gemacht. Vom überbordenden Medieninteresse war er allerdings überrascht. "Es war schon unglaublich. Am nächsten Tag hat von der Früh bis am Abend das Telefon geläutet. Jeder wollte irgendetwas. Das war ein Wahnsinn. Niemand kannte mich und mit Nummer 47 zu gewinnen, war etwas Spezielles. "

Kritik an Kurssetzung

21 Jahre später bedauert Matt, dass die ersten Saisonrennen viel zu einfach gesetzt wurden. Diesbezüglich darf man nun auch in Flachau gespannt sein, wo am Samstag (9.30 und 11.30 Uhr, ORF 1) der Ersatzslalom für Wengen und am Sonntag jener für Kitzbühel ansteht und das vergleichsweise flache Gelände nicht gerade viele Möglichkeiten für Herausforderungen bietet. Als die Herren zuletzt 2011 dort Station machten, war auch Matt dabei. Er landete als Neunter 1,52 Sekunden hinter dem siegreichen Kroaten Ivica Kostelic.

"Im Weltcup", sagt Matt, "sollten sie schon ein bisserl gefordert sein." Werde anspruchsvoller gesteckt, wie etwa zuletzt in Adelboden, dann setzen sich nur die Besten durch. Er konstatiert, dass in der Saison keiner in allen vier Rennen konstant stark war. "Jeder ist gefordert, bei verschiedenen Bedingungen auf unterschiedlichen Hängen immer wieder die perfekte Abstimmung zu finden." Und jeder habe mal Probleme.

Auch in seiner Karriere hat es schwierige Zeiten gegeben. Etwa 2002, als er im Slalomweltcup geführt, sich aber vor Olympia in Salt Lake City an der Schulter verletzt hatte. "Aber ich habe mich insgesamt dreimal mit hohen Nummern in die Weltspitze gekämpft. Das hat mich schlussendlich ausgezeichnet. Ich habe nie aufgegeben, immer an mich geglaubt und bin immer wieder zurückgekommen." (Thomas Hirner, 15.1.2021)