Kitzbühel – – Die Weltcupbewerbe der alpinen Ski-Herren von Freitag bis Sonntag in Kitzbühel können planmäßig stattfinden. Die Durchführung der 81. Hahnenkammrennen war wegen der im Bezirk Kitzbühel aufgetretenen Verdachtsfälle auf die britische Coronavirus-Mutation in Jochberg fraglich geworden, mit PCR-Testungen hatte man sich einen Überblick über das Infektionsgeschehen verschafft. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel sieht keine Gefahrenlage und garantiert sichere Rennen.

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter, der das Grüne Licht verkündete, erklärte am Sonntag, dass die Bevölkerungstests keinen Verdacht auf weitere Fälle der Virus-Mutation gebracht haben. Laut Schröcksnadel gäbe es keinen Grund, die Rennen in Kitzbühel abzusagen. "Es gibt mehrere Gründe, warum sie stattfinden sollten. Und der Hauptgrund ist, dass die Inzidenz in Tirol, unter 100 ist. Der zweite ist, dass wir in unserer Blase in den vergangenen Wochen, wo wir Rennen veranstaltet haben, keinen einzigen Coronafall erzeugt haben. Damit sind unsere Rennen sehr sicher, in Kitzbühel wird dasselbe sein", sagte der Tiroler am Rande der Herren-Weltcupslaloms in Flachau.

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel zum Öffnen der Skigebiete: "In 90 Prozent der Skigebiete sind überhaupt keine Leute. Da bräuchtest beim Anstehen gar keine Maske, weil eh niemand ansteht."
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Nach der Absage der Lauberhornrennen waren zunächst für dieses Wochenende (16./17. Jänner) in Kitzbühel zwei Slaloms geplant gewesen, die dann nach Flachau verlegt wurden. Schröcksnadel verteidigte diese Entscheidung. "Wir sind glücklich, dass wir das so vorgenommen haben. Neunzig Prozent waren nicht meiner Meinung. Aber ich habe gesagt, wenn wir drei, vier Tage Zeit bekommen, zu beweisen, dass in Kitzbühel keine Gefahrenlage ist, dann kann man mit guten Argumenten die Rennen durchführen."

Auch Platter erklärte, dass man wegen der "festgestellten 17 Virus-Mutationen bei den angeblichen Skilehrern aus England, die uns erschüttert haben", den "sehr vorsichtigen Weg der Sicherheit" gegangen sei und die Wengen-Rennen nicht in Kitzbühel nachgetragen habe. "Es sind alle Vorsichtsmaßnahmen unternommen worden, weil die Gesundheit und Sicherheit im Vordergrund stehen."

In Kitzbühel gehen heuer daher zwei Abfahrten in Szene, am Freitag jene für das ausgefallene Wengen-Rennen, am Samstag dann der Hahnenkamm-Klassiker. Der Super-G findet erst am Sonntag statt. Der traditionelle Slalom auf dem Ganslernhang fällt nach diversen coronabedingten Verschiebungen dort aus, er wurde ersatzweise am (heutigen) Sonntag in Flachau gefahren.

Die Situation in Cortina d'Ampezzo, wo im Februar die WM stattfindet, könne er nicht einschätzen, sagte Schröcksnadel. "Aber wenn sie es so gut machen wie sonst bei den Rennen, besteht kein Problem." Wobei man unterscheiden müsse. "Wenn die Zahlen dort so hoch sind, dass die Region gesperrt wird, ist es etwas anderes. Aber auch bei einer WM wäre man innerhalb der Blase sicher. Da ist ja jeder mehrmals getestet." Er sehe deshalb derzeit keine wie immer geartete Situation, dort nicht zu fahren. "Wenn niemand innerhalb der Blase krank ist, ist die Gefahr sich anzustecken außerhalb viel größer."

Der ÖSV habe nicht nur die Wengen-Rennen übernommen, sondern im Herbst auch erfolgreich den Weltcup-Auftakt in Sölden gemanagt. "Wir sind sicher der effizienteste Verband der Welt. Niemand kann so etwas in derart kurzer Zeit organisieren", ist Schröcksnadel überzeugt. "Wir haben bisher keinen einzigen Fall innerhalb des Renngeschehens erzeugt. Ich glaube man ist herinnen sicherer als im normalen Leben." Der ÖSV würde im Fall der Fälle weiter als Ersatz einspringen. "Wir sind aber insgesamt schon ziemlich an der Kapazitätsgrenze."

Zum Öffnen der Lifte für den touristischen Skilauf meinte der in seinem letzten Amtsjahr stehende Langzeit-Präsident: "In 90 Prozent der Skigebiete sind überhaupt keine Leute. Da bräuchtest beim Anstehen gar keine Maske, weil eh niemand ansteht", glaubt der Tiroler. "Auf den Pisten sind fünf Leute, obwohl Tausende fahren könnten." Nur in den großen Einzugsgebieten um Linz oder Semmering (Wien) gäbe es Andrang. "Aber vor allem deshalb, weil die Kapazitäten der Bahnen zurückgefahren werden mussten."

Es sei da aber auch sehr viel Fake passiert, ist Schröcksnadel über manche mediale TV-Darstellung über angeblich zu eng zusammenstehende Skigäste enttäuscht. "Wenn ich schräg reinfilme, dann sind zwei Meter plötzlich 50 Zentimeter. Das ist ganz bewusst so passiert und das stört mich."

Für die Menschen sei es jetzt ganz wichtig, hinauszukommen. "Die Skilifte kostet das Hunderte Millionen, die aufgebracht werden, damit der Österreicher Ski fahren kann. Das ist ein riesiges Verlustgeschäft. Aber es ist wichtig, dass die Einheimischen wissen, dass wir auch für sie da sind." (red, APA, 17.1.2021)