Amazon steht in der Kritik.

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Amazon ist in den USA mit einer neuen Klage konfrontiert, die dem Unternehmen vorwirft, sich mit mehreren Buchverlagen über Preise abgesprochen zu haben. Amazon fungiert in einer Doppelrolle als Verkäufer und Marktplatz, auf dem andere Händler ihre Produkte anbieten können. Der Versandhändler soll von den Verlagen laut der Klage der Anwaltskanzlei Hagens hohe Vermittlungsprovisionen und andere Kosten verlangen, weswegen der Preis für den Endverbraucher steige.

Da das aber bedeuten würde, dass die Bücher bei anderen Buchhändlern günstiger wären, hätte Amazon mit den Verlagen Hachette Book Group, Harper Collins, Penguin Random House, Simon & Schuster und Macmillan vereinbart, dass sie bei Konkurrenten den gleichen Preis verlangen – so würde das Unternehmen ihn in die Höhe treiben.

Das gemeinsame Angebot der Verlage würde ungefähr 80 Prozent der verkauften Bücher in den USA umfassen, argumentieren die Kartellrechtsexperten, die die Klage im US-Bundesstaat New York eingereicht haben. Wie "The Wall Street Journal" berichtet, wollte weder Amazon noch einer der fünf Verlage die Klage kommentieren.

Nachteil für Kunden entscheidend

Das US-amerikanische Kartellrecht sieht im Regelfall keinen Rechtsverstoß vor, wenn Kunden durch die Handlungen einer Firma nicht geschädigt werden, schreibt die Zeitung. Einer der wichtigsten Wege, um festzustellen, ob ein Unternehmen Endverbrauchern schadet, ist, wenn der Preis durch eine Absprache höher wird, als er sonst wäre.

Amazon verkauft rund 76 Prozent aller Bücher in den USA – und hat sich den Ruf aufgebaut, E-Books günstiger anzubieten als andere – und so den Preis zu senken. Die Klage widerspricht dem nun. Seit dem vergangenen Jahr wird das Vorgehen des Unternehmens und anderer großer IT-Konzerne von Regulierungsbehörden strenger unter die Lupe genommen. Der US-Bundesstaat Connecticut etwa prüft aktuell, wie der Versandhändler E-Books verkauft und vertreibt. Auch Händler anderer Branchen, die den Marktplatz nutzen, werfen Unternehmen der Firma vor, von ihnen zu verlangen, dass ihre Produkte zu dem gleichen Preis angeboten werden wie bei Mitbewerbern. (muz, 18.1.2021)