Das Göppinger Unternehmen Teamviewer hat eingekauft.

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Das Linzer Software-Start-up Xaleon ist vom deutschen MDax-Konzern Teamviewer gekauft worden. Das stark wachsende deutsche Softwarehaus zahlte einen zweistelligen Millionenbetrag, um sich die Programme der Linzer Gründer zu sichern. Dazu kommt eine Option auf "signifikante" Nachzahlungen, wenn gewisse Umsatzziele erreicht werden. Das Kernprodukt von Xaleon ermöglicht das Teilen von Bildschirminhalten über den Browser ohne Installation und Übertragung von Nutzerdaten.

"Hohe Akzeptanz"

Teamviewer hofft nach dem Zukauf auf organisches Wachstum in Oberösterreich, sagten CEO Oliver Steil und Finanzchef Stefan Gaiser am Dienstag im Gespräch mit der APA. Das Team von Xaleon soll bei Teamviewer zum Kompetenzzentrum für Lösungen für Verkaufs- und Servicegespräche aus der Ferne werden, Linz der Österreich-Standort des deutschen Mutterkonzerns. Neue Arbeitsplätze sind zu erwarten, der Innovations-Cluster und Software-Hub mit dem Campus Hagenberg, der Johannes Kepler Universität Linz und der zukünftigen Neue TU Linz war für Teamviewer zwar nicht alleine entscheidend, aber ein sehr starkes Plus. Auch die deutschen Standorte oder etwa der Standort in Athen seien rund um technische Universitäten entstanden.

Grundsätzlich ist aber in der Firma die Arbeitssprache Englisch, Menschen aus 40 Nationen arbeiten mit, der größte Markt ist die USA, Deutschland kommt nur auf etwa 15 bis 20 Prozent. In Österreich wird "ein mittlerer einstelliger Millionenbetrag" erwirtschaftet, das mache Österreich zu einem "relativ zur Größe wichtigen Markt", so Steil.

Standort bleibt Linz

Die 2018 von Markus Wagner, Horst-Georg Fuchs und Mathias Holzinger gegründete Xaleon (vormals Chatvisor) hat ein Softwarepaket geschnürt, das Funktionen wie Chatbots, Live-Chat, Video-Chat sowie die elektronische Unterschrift für den Vertragsabschluss umfasst. Angeboten werden auch Schnittstellen (APIs) zu allen wichtigen Kundenservice- und Ticketing-Systemen. Das Programm muss nicht am Rechner des Nutzers installiert werden, was es etwa für Banken oder Versicherungen besonders interessant macht. Die Gründer und über 20 Mitarbeiter von Xaleon werden Teil von Teamviewer.

TeamViewer, auf Kundenbetreuung auf Distanz spezialisiert, hat die Technologie von Xaleon bereits in sein Programm (TeamViewer Tensor) integriert. "Aufgrund der hohen Akzeptanz der Funktionalität und des großen Kundeninteresses" habe sich Teamviewer nun zur Übernahme des Unternehmens entschlossen, heißt es in einer Aussendung.

Der Schritt bedeutet nicht nur einen Erfolg für die drei jungen Linzer Programmierer, sondern auch für den Investor Herbert Gartner und seine Venture-Capital-Gesellschaft eQventure. Er war erst vor 21 Monaten mit einem sechsstelligen Betrag eingestiegen. eQventure hat damit zum vierten Mal ein von ihnen mitfinanziertes Start-up an einen börsennotierten Konzern verkauft.

Der Deal ist aber auch für den Technologiehub in Oberösterreich wichtig. Denn das Team von Xaleon wird in Linz bleiben. TeamViewer will seine Präsenz in dieser Region mit dem verstärken.

Teamviewer mit Hauptsitz in Göppingen ist eines der Technologieunternehmen, die in der Coronakrise massiv gewachsen sind. Der Umsatz des auf Fernwartungssoftware spezialisierten Unternehmens ist 2020 um 40 Prozent auf etwa 456 Mio. Euro gewachsen, Ende des Jahres zählte Teamviewer 584.000 Kunden, was einem Zuwachs von einem Viertel auf Jahressicht entspricht. Für 2021 wird ein weiteres deutliches Wachstum erwartet. (APA, 19.01.2021)