Telekomfirmen wollen sich gegenseitigen Netzzugang gewähren.

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München/Bonn – Das deutsche Kartellamt hat Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica Deutschland zur Zusammenarbeit bei der Verbesserung der Netzqualität verdonnert. Nach einer entsprechenden Intervention der Wettbewerbshüter konnte Telefonica Deutschland am Dienstag bekanntgeben, nun zusammen mit den anderen beiden Konzernen die sogenannten "grauen Flecken" zu bekämpfen.

Kooperation problematisch

Branchenprimus Telekom und Vodafone hatten eine solche Vereinbarung zum Ärger von Telefonica bereits im vergangenen Jahr getroffen. "Eine Kooperation von Deutscher Telekom und Vodafone ohne Beteiligung von Telefónica wäre aus unserer Sicht wettbewerblich problematisch", begründete Kartellamtspräsident Andreas Mundt die Einflussnahme seiner Behörde und der Bundesnetzagentur.

Für Telefonica Deutschland eröffnen sich durch die zwangsverordnete Kooperation ganz neue Möglichkeiten. Firmenchef Markus Haas sprach sogar von einem "Game Changer". Entsprechend zuversichtlich schaut die Tochter des hochverschuldeten spanischen Telekomkonzerns Telefonica in die Zukunft und will nun jedes Jahr um mindestens 1,5 Prozent wachsen. Haas machte vor allem im ländlichen Raum Potenzial aus, da sei das für die Marke 02 bekannte Unternehmen "unterrepräsentiert". Zugleich gab er bekannt, die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr auf 18 Cent je Aktie von zuvor 17 Cent zu erhöhen. Dies dürfte vor allem Telefonica freuen, die rund zwei Drittel halten. Analysten hatten allerdings mit einem höheren Aufschlag nach dem 1,5 Milliarden Euro schweren Verkauf von Funkmasten gerechnet. Die Telefonica-Deutschland-Aktie fiel am Morgen etwa 0,5 Prozent.

"Graue Flecken" schließen

Die Unternehmen haben es sich zum Ziel gesetzt, Hunderte "graue Flecken" zu schließen. Sie wollen sich dafür an Orten, an denen bislang nur einer präsent ist, gegenseitigen Netzzugang gewähren. "In Zukunft wird man die grauen Flecken mit der Lupe suchen müssen", versicherte Haas. Netzagentur-Präsident Jochen Homann sagte: "Kooperationen der Betreiber können wesentlich zu einer besseren Mobilfunkversorgung in Deutschland beitragen." Und Telekom-Deutschlandchef Srini Gopalan ergänzte: "Wir arbeiten mit unserem Wettbewerber zusammen, damit noch mehr Menschen in Deutschland ein besseres Netz nutzen könne."

Telefonica Deutschland hinkt bisher bei der Netzabdeckung hinter der Konkurrenz hinterher. Auch bei der neuen 5G-Mobilfunktechnik muss das Unternehmen aufholen und gab bekannt, bis Jahresende mehr als 30 Prozent der Haushalte mit 5G erreichen zu wollen. 2025 soll es dann ein flächendeckendes 5G-Netz geben. Dabei soll auch die Umrüstung des Funknetzes auf die Open-Ran-Technologie helfen. Bei der Deutschen Telekom können inzwischen 55 Millionen Menschen in Deutschland 5G nutzen.

Im dritten Quartal hatte Telefonica Deutschland dank des Funkmasten-Verkaufs den ersten Gewinn seit 2016 erzielt. Rund 100 Millionen Euro aus dem Verkaufserlös sollen in die neue Glasfasergesellschaft von Telefonica und Allianz fließen, an der sich der deutsche Mobilfunker mit zehn Prozent beteiligen will. Mittelfristig würden drei Millionen Anschlüsse in Deutschland gebaut und auch unter der Marke O2 vermarktet, sagte Haas. (APA, 19.1.2021)