So süß!

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Kann sich jemand an Marie Kondo erinnern? Ihre auf Netflix präsentierte KonMari-Methode, mit der Ordnung in den Haushalt gebracht werden soll, war vor zwei Jahren das große Thema. Es geht dabei ums Aufräumen und Ausmisten der eigenen vier Wände. Dazu zählt etwa die Frage, ob uns Gegenstände, die wir besitzen, glücklich machen oder nicht. Wenn nicht, dann weg damit, aber sofort!

Zu diesen Sachen zählen möglicherweise zehn Jahre alte Zeitschriften, die man aus nicht mehr nachvollziehbaren Gründen aufgehoben hat. Dazu kommen original eingeschweißte Bücher, die man sich gekauft hat, weil sie damals in den zehn Jahre alten Zeitschriften gut besprochen worden waren. Die Geschichte der Wachauer Marille wird anhand einer Jahrgangssammlung von bräunlichen Marmeladen in diesem Leben auch nicht mehr aufgearbeitet werden. Das liebste Band-T-Shirt aus der Studentenzeit geht heute höchstens noch als Haube durch. Und, hallo, das Schuhputzzeug habe ich das letzte Mal wahrscheinlich in den Nullerjahren verwendet.

Der Trend zum Haustier

Blöderweise erfolgte das große Aufräumen ein Jahr vor der Seuche. Außer der Schachtel mit den Einzelsocken und den im Keller verräumten 20 Kisten CDs, die ich mir ständig nicht mehr anhöre, gibt es mit Ausnahme eines Bergs ungebügelter Hemden nichts zu tun. Verdammt, Marie Kondo kam ein Jahr zu früh.

Deshalb wollen wir uns einem nach dem Ausmisten und den anschließenden Lockdowns mit dem Brot- und Kuchenbacken sowie dem Stricken und Fermentieren in nur noch karg mit dem Allernötigsten, also mit Laptop, Zahnbürste und Matratze, möblierten Wohnungen verstärkt einem aktuellen Trend widmen. Es ist der Trend zum Haustier. In diversen befreundeten Haushalten marschierten jüngst einige süße junge Hundsis ein. Ein Hundsi hellt nämlich nicht nur das Gemüt der Besitzer auf. Es sorgt mit seinem Bewegungs- und Harndrang auch dafür, dass die durch das dauernde Brotbacken gewachsenen Babyelefanten-Wampen beim Herrli und Frauerl nicht zu groß werden.

Das letzte Kind trägt bekanntlich Fell. Meines nicht. Aber auch ich besitze natürlich ein Haustier. Es ist der Lurch. Er ist zwar nicht süß, und mit Sicherheit hebt er auch nicht die Stimmung, er ist aber pflegeleicht. Man muss mit ihm nicht zweimal am Tag vor die Tür. Um ihn zu bewegen, reicht schon ein wenig Zugluft. Soweit ich weiß, hat sich Marie Kondo übrigens nie zum Thema Staubsaugen geäußert. Möglich aber auch, dass ich das verdrängt habe. (Christian Schachinger, 20.1.2021)