Wir erinnern uns noch gut an die bärtigen Abenteurer im ersten Lockdown. Einst glattrasierte Männer ließen sich Bärte stehen. Und was für welche! Die Gesichtsbehaarung wucherte auf einmal fast übers Instagram-Selfie hinaus. Selbst Jim Carrey ähnelte plötzlich dem Extrem-Abenteurer Reinhold Messner. Dabei hatte sich der Hollywood-Komiker nicht zur Arktis-Durchquerung aufgemacht – er durchlebte bloß Teil eins einer Pandemie.

Rückblickend kann man sagen: Wilde Zeiten waren das! Doch nun ist Schluss mit Visagenpelz. Wenn ab kommender Woche die FFP2-Maske in Supermarkt und U-Bahn angelegt werden muss, dann stehen Bartträger vor einem Problem. Die Stacheln im Gesicht sind dem Mundschutz im Weg, die Luft kann beim Ein- und Ausatmen ungefiltert an den Seiten vorbeiströmen. Der wissenschaftlich empfohlene Ausweg aus dem haarigen Dilemma: "Es bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, sich zu rasieren", sagt Christoph Asbach, Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung.

Das wirft Fragen auf: Macht die FFP2-Maske den großväterlichen Rauschebärten angegrauter Hipster den Garaus? Sind die Tage der Barbershops gezählt? Wohin mit all dem Bartöl, dem Bartwachs, den Bartschneidegeräten? Vor allem aber: Welche Männer werden da nach der Nassrasur zum Vorschein kommen? Hinter den Bärten ließ sich so mancher Makel verstecken. Aerosolforscher Asbach gibt schon einen Vorgeschmack darauf, worauf wir uns in etwa einstellen können. Er ist glattrasiert, trägt aber eindrucksvolle Koteletten.

Die Botschaft des deutschen Wissenschafters: Männer, traut euch, es ist nicht alles Haar verloren! Es steht zu befürchten, dass frustrierte Vollbartträger sich das nicht zweimal sagen lassen werden. Aber welche Barttrachten sind FFP2-tauglich –und auch optisch kein absolutes Volldesaster?

Corona-Trend Rotzbremse?

Da wäre etwa der Oberlippenbart: Lange wurde das Prachtstück als "Pornobalken" verunglimpft. Schuld daran waren Tom Selleck, Darsteller des machohaften 80er-Seriendetektivs Magnum, oder der Pornostar John Holmes. Dass der Schnauzer durchaus auch zum seriösen Markenzeichen taugt, bewiesen Träger wie Wiens Ex-Bürgermeister Michael Häupl oder Filmlegende Clark Gable. Heute gilt der Oberlippinger fast als Hipster-Merkmal: Popstar Justin Bieber und der österreichische Rapper Yung Hurn tragen immer wieder mal Rotzbremse – ironisch natürlich.

Vielleicht versuchen sie es demnächst mit dem Modell Soul-Patch. Der winzige Pinsel unterm Mund wäre durchaus FFP2-verträglich und fast so etwas wie das haarige Pendant zu Cindy Crawfords Muttermal. Brad Pitt hat ihn bereits ausgeführt, als Soul-Patch-Ur-Influencer gilt aber der Musiker Tom Waits.

Ob die Fraktion Vollbart sich mit den paar Härchen da unten zufriedengeben wird? Nun: Wir werden das im Auge behalten. (Anne Feldkamp)


Der Vollbart (–)

Sonnenbrillen, Trenchcoats, Stetsons und die imposanten Rauschebärte der Sänger Billy Gibbons und Dusty Hill wurden zum Markenzeichen der Rockband ZZ Top. 1984 bot die Firma Gillette den beiden je eine Million Dollar, wenn sie sich für eine Werbekampagne die Bärte abrasieren ließen. Die Musiker lehnten das Angebot ab. Eingefleischte Vollbartträger trennen sich also auch für Geld nicht von ihrer FFP2-inkompatiblen Gesichtsbehaarung. Aber vielleicht für die Gesundheit? (Michael Steingruber)

ZZ Top
Foto: AP

Der Dreitagebart (–)

Bruce Willis oder Jason Statham überleben Lebensgefahr nur wegen ihrer Bartstoppeln. Darin können weder Dynamitstangen hängenbleiben, noch fangen diese Feuer, wenn die Actionhelden durch Explosionen spazieren. Umso ungläubiger reagieren wilde Kerle bei der Neuigkeit, dass Unrasiertheit in Zeiten von Corona brandgefährlich ist. Die FFP2-Maske macht keinen Unterschied zwischen Lang- oder Kürzesthaar im Gesicht – sie sitzt grundsätzlich schlecht auf großflächigem Visagenpelz. (Sascha Aumüller)

Bruce Willis
Foto: Silver Pictures

Der Side-Whisker (+)

Anruf beim King: "Elvis, du bist save. Deine Koteletten sind im Wesentlichen voll FFP2-Masken-konform. Das wird dir auch die heimische Seuchenkontrollbehörde bestätigen. Vielleicht solltest du halt darauf achten, dass dein Side-Whisker nicht vollkommen außer Rand und Band gerät, so wie dein Leibesumfang in letzter Zeit. Der Lockdown hat dir ganz offensichtlich nicht gutgetan. Ich mach mir ernsthaft Sorgen um deine Werte. Hallo? Aufgelegt. So eine Mimose." (Markus Böhm)

Elvis Presley
Foto: imago images / United Archives

Der Ziegenbart (–)

Leonardo DiCaprio ist so ein Typ, bei dem es sich gerade ausgeht: Das pelzige Kinn wird von schütterem Bart flankiert, alles wächst also haarscharf außen vorbei am Atemschutz. Bei affigeren, behaarteren Männern geht dieses Kalkül nicht auf. Ihr Ziegenbart ufert aus und hebt womöglich die Maske an. Das ist riskant. Wer den Goatee hingegen ausrasiert, sieht aus, als trage er eine Maske mit Bärtchen. Irgendwie auch affig, oder nicht? (Sascha Aumüller)

Leonardo DiCaprio
Foto: AFP

Der Handlebar (+)

Meine Liebste steht auf Errol Flynn. Sie wissen schon, Der Herr der sieben Meere. Die Rotzbremse des Hollywood-Feschaks fiel zwar schmäler aus und zeigte nicht die seitlichen Mäuseschwänzchen eines Handlebar-Schnauzers, aber schließlich möchte ich den Haudegen toppen. Dieser "moustache" wäre ein Anfang, noch dazu, weil ihn aufgrund der Maskenpflicht nur meine Liebste im trauten Heim zwirbeln kann. Und dabei bitte nicht an Thronfolger Franz Ferdinand denkt. (Michael Hausenblas)

Errol Flynn
Foto: imago images / Cinema Publishers

Der Toothbrush (+)

Eigentlich der ideale Zuschnitt fürs Gesichtshaar in schwierigen Zeiten – egal ob für die FFP2- oder für die Gasmaske. Manche denken dabei an Charlie Chaplin. In unseren Breiten aber vermutlich die wenigsten. Denn beim Anblick eines "Zweifingerbarts" spuken den meisten Bilder eines anderen Mannes mit kleinem Bart durch den Kopf – und die lassen einen schaudern. Applaus kann man sich daher dafür nur aus einer Ecke erwarten: der extrem rechten. (Markus Böhm)

Charlie Chaplin
Foto: imago images/Ronald Grant

Der Soul-Patch (+)

"Achtung, da sitzt ein pelziges Insekt auf deinem Kinn!", ist man versucht, Kevin Costner zuzurufen. Auf den zweiten Blick entpuppt sich das Tierchen als Soul-Patch. Der Hollywood-Schauspieler gehört zu den prominentesten Trägern dieses fragwürdigen Bärtchens unterhalb des Mundes. Es beeinträchtigt zwar nicht die Wirksamkeit von FFP2-Masken, dafür aber die Attraktivität des Mannes. Also Maske auf oder gleich zum Rasierer greifen! (Michael Steingruber, 21.1.2021)

Kevin Costner
Foto: Joel Ryan/Invision/AP