Die Erleichterung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Endlich, so Amerikas Top-Immunologe Anthony Fauci, werde im Weißen Haus die Wissenschaft wieder gehört. Seit Joe Biden dort residiert, könne er wieder die Wahrheit über die Corona-Pandemie aussprechen, ohne dafür negative Konsequenzen fürchten zu müssen.

Unter Donald Trump, so Fauci in einer vielbeachteten Pressekonferenz am Donnerstag, seien Dinge kommuniziert worden, die nicht auf wissenschaftlichen Fakten basierten. Stichwort: Hydroxychloroquin. Das Malaria-Medikament war vom Präsidenten höchstselbst als Corona-Heilmittel angepriesen worden, obwohl es nicht genügend Belege für seine Wirksamkeit gab. "Das war wirklich unangenehm, weil dies nicht auf wissenschaftlichen Fakten beruhte", sagte der Immunologe am Donnerstag.

Fauci ist zurück

Trump hatte Fauci erst in die Taskforce des Weißen Hauses berufen, ihn dann aber zunehmend aus der Öffentlichkeit verbannt. "Die Leute haben es satt, Fauci und diese Idioten zu hören", wetterte er im Oktober, als die Corona-Situation seine Umfragewerte mehr und mehr drückte. Biden hingegen, so Fauci, habe ihm zugesichert, auf sein Wort zu hören – auch wenn dieses unpopuläre Maßnahmen nach sich zieht.

C-SPAN

Der neue Präsident selbst stellte die Amerikaner indes auf eine weitere Verschlimmerung der Situation ein. Wahrscheinlich werde die Zahl der Corona-Toten im Februar eine halbe Million erreichen, sagte Biden am Donnerstag. "Die Dinge werden sich weiter verschlechtern, bevor es besser wird", mahnte er und versprach zugleich: "Wir werden das durchstehen."

Quarantäne für Einreisende

In einem seiner ersten Schritte verschärfte Biden am Donnerstag die Einreisebestimmungen. Alle ankommenden Reisenden müssen künftig verpflichtend in eine Corona-Quarantäne, teilte er am Donnerstag mit. "Jeder, der aus einem anderen Land in die USA fliegt, wird sich testen lassen müssen, bevor er das Flugzeug besteigt, (...) und sich in Quarantäne begeben müssen, wenn er in den USA ankommt", sagte Biden. Die Gesundheitsbehörde CDC hatte das schon in der vergangenen Woche – also noch in Trumps Amtszeit – empfohlen.

Für Reisende, die zwischen den US-Bundesstaaten unterwegs sind, egal ob in Bus, Bahn oder Flugzeug, wird künftig eine Maskenpflicht gelten. Auch in Regierungsgebäuden heißt es künftig "Mask up!", wie Biden zuvor als Devise ausgegeben hatte – zumindest die kommenden 100 Tage über.

Biden setzt künftig auf die Wissenschaft.
Foto: AP Photo/Alex Brandon

"Himmel und Erde in Bewegung setzen"

Die "brutale Wahrheit" sei nämlich, dass es noch Monate dauern werde, bis alle US-Amerikaner geimpft werden können. Ziel sei es, 100 Millionen Impfungen in 100 Tagen zu verabreichen, sagte der neue Präsident. Um den Impfstoff auch in benachteiligten und abgelegenen Gegenden verteilen zu können, will die Regierung mit den großen Apothekenketten zusammenarbeiten. "Wir werden Himmel und Erde in Bewegung setzen, um mehr Menschen kostenlos zu impfen", sagte Biden.

Rochelle Walensky soll künftig die US-Gesundheitsbehörde CDC führen.
Foto: REUTERS/Kevin Lamarque/File Photo

Denn die Zeit drängt. In den USA mit ihren rund 330 Millionen Einwohnern haben sich bisher rund 24,6 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert. 410.000 starben bisher an oder mit Covid-19. In absoluten Zahlen gemessen sind das mehr als in jedem anderen Land. Laut CDC wurden bisher 17 Millionen Impfdosen in den USA verabreicht.

Per Verfügung will Biden deshalb nun die Herstellung von Schutzmasken, Handschuhen, Testzubehör und Materialien für die Verabreichung der Impfstoffe beschleunigen. Andere Verordnungen des Präsidenten widmen sich der Ausweitung der Testkapazitäten, sollen Studien zur Behandlung von Covid-19 unterstützen und für Sicherheit an Schulen und Arbeitsplätzen sorgen. (flon, 22.1.2021)