Charakterstärke, Reflexionsfähigkeit, Empathie und Resilienz ist jetzt von Führungskräften gefragt. Auch die aktuellen Weiterbildungsangebote richten sich danach.

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Die Führungsfähigkeit ist auf das Äußerste belastet. Der Augenblick wird zur einschätzbarsten Zeiteinheit, Langfristigkeit ist fast unseriös. Viele in der Vergangenheit positiv belegte Eigenschaften sind jetzt nicht nur out of date, sondern sogar toxisch." Sören Buschmann, Leadership-Berater bei der BDO, bringt im Stakkato die gegenwärtigen Bedingungen auf den Punkt.

Die gute alte Zielstrebigkeit, ebenso die Durchschlagskraft, Machtorientierung und das Ausüben von Autorität hätte man also vielleicht noch im Vorjahr einer "starken Managerpersönlichkeit" zugeordnet. Damit ist heute keine neue Organisation mit hybrider Arbeitsform unter den Bedingungen einer in absehbarer Zeit nicht endenden Pandemie oder für die Zeit "danach" zu bauen.

Was also steht jetzt auf dem Altar gefragter Vorgaben für Führungskräfte? Charakterstärke, Reflexionsfähigkeit, Empathie und Resilienz. Also selbst zurechtkommen mit hoher Unplanbarkeit, hochfrequenter Agilität und permanenten Schocks – und die Teams arbeitsfähig und zuversichtlich zu halten.

Das fordert die Weiterbildungsindustrie in diesem Bereich extrem heraus – hat sie selbst im Wesentlichen doch auch auf den Säulen der Planbarkeit und der Messbarkeit, bekannter Strukturen aufgebaut. Da kommt der Persönlichkeitsentwicklung eine tragende Rolle zu.

Fokus auf soziale Kompetenzen

Alle großen Anbieter bestätigen den Trend zum Fokus auf die Persönlichkeit. "Soziale Kompetenz von Führungskräften bekommt einen immer höheren Stellenwert", sagt etwa Michaela Kreitmayer, Institutsleiterin von Hernstein. Inhaltlich stehe das Führen von Homeoffice- und Büroteams im Zentrum, das Führen ohne die gute alte Planbarkeit und ohne gewohnte Erfolgserlebnisse.

In Formaten gesprochen, sagt sie, würden Coaching und Einzeltraining stark zunehmen, die bereits bekannten Formate des Blended Learning, also der Mischung aus Präsenz- und Online-Lernen, aus kollegialer Beratung und Selbststudium, seien ebenso gefragt wie angeleitete Selbstlernprozesse. Spielerische Zugänge, bekannt aus der Gamification in der Weiterbildung, seien ebenso im Kommen.

Und ständig, so Kreitmayer, gehe es auch um das Weiterentwickeln der digitalen Kompetenz. Generell sei "Lernen auf Vorrat" out und "Lernen just in time" das Gebot der agilen Stunde.

Die Linzer Managementakademie Limak hat daraus etwa Management-Spotlights gemacht, ein digitales Abo-Modell mit interaktiven Webinaren, die monatlich aktuelles Wissen von nationalen und internationalen Experten offerieren.

Nachfrage nach flexiblen Programmen

Flexibilität hat in den Anforderungen an Studienprogramme ebenso einen neuen Stellenwert erhalten. "Wir verzeichnen derzeit verstärkt Nachfrage nach flexiblen MBA-Studienprogrammen in E-Learning-Formaten", berichtet Barbara Brenner von der Danube Business School an der Kremser Donau-Uni. Sie hat die gute Nachricht für ihre gesamte Branche: "Generell hat das Interesse an Weiterbildungsprogrammen zugenommen. Bedingt durch mehr zeitlich Ressourcen, weniger Geschäftsreisen, durch Kurzarbeit."

Die Executive Academy an der WU Wien hat als wesentlichen Trend maßgeschneiderte Programme zum Thema Führen in der Krise. Hybridmodelle werden ausgebaut, von der App bis zu neuen Präsenzmodellen und Reflexionsgruppen, sagt die dortige Chefin Barbara Stöttinger. Das kurzfristige Lernen heißt in ihrem Haus "learn to go", also alles, was benötigt wird im Instant-Modus, sofort verfügbar und möglichst maßgeschneidert.

Die Geschäftsaussichten scheinen bei den großen, etablierten Anbietern jedenfalls zum Jahresanfang nicht schlecht zu sein, die Betriebsamkeit ist hoch. Klagen über mangelnde Kundschaft sind derzeit nicht zu hören. (Karin Bauer, 27.1.2021)