Gute Aussichten: Die österreichische Industrie bleibt auf Wachstumskurs.

Foto: Reuters / Toby Melville

Wien – Trotz Corona-Krise ist die Industrie in Österreich zu Jahresbeginn auf Wachstumskurs geblieben. Das Auftragswachstum blieb fast unverändert hoch, und erstmals seit einem Jahr sind in der Industrie wieder zusätzliche Jobs entstanden, erklärten die Wirtschaftsexperten der Bank Austria am Mittwoch. Der vom Institut ermittelte Einkaufsmanager-Index (EMI) stieg im Jänner auf 54,2 Zähler, den höchsten Wert seit über zwei Jahren.

Sieben Monate in Folge in der Wachstumszone

Damit liege der Indikator bereits den siebenten Monaten in Folge über der Schwelle von 50 Punkten, also in der Wachstumszone. Mit der leichten Verbesserung gegenüber Jahresende unterscheide sich der Trend in Österreich von der gesamteuropäischen Entwicklung, denn im Euroraum ist der EMI im Jänner um einen halben Punkt auf 54,7 Zähler gesunken, da vor allem die deutsche Industrie schwächer wuchs, so Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Lieferengpässe würden jedoch zu einem massiven Anstieg der Kosten in der heimischen Industrie führen, während der scharfe Wettbewerb nur moderate Preisanpassungen im Verkauf erlaube. Zunehmend seien die Betriebe mit Störungen in der Lieferkette konfrontiert, die die Verfügbarkeit mancher Rohstoffe und Vorprodukte beeinträchtigen würden, unter anderem infolge von Engpässen bei Schiffscontainern.

Aussichten kurzfristig eingetrübt

Die Industrie-Geschäftsaussichten würden sich kurzfristig etwas eintrüben, so die Experten der Bank Austria, weil der verlängerte Lockdown unmittelbar zu einer schwächeren Industriekonjunktur führen dürfte. Aber für die nächsten zwölf Monate hätten die Produktionserwartungen ein Dreijahreshoch erklommen, weil sich die Aussicht auf eine Normalisierung des Wirtschaftslebens durch den Beginn der Impfungen konkretisiert habe.

Profitiert hat die Industrie im Jänner weiterhin von der Belebung des internationalen Handels. Das Tempo des Auftragswachstums habe zwar etwas nachgelassen, sei aber dank positiver Exportentwicklung und stärkerer Nachfrage aus Asien und den USA dennoch sehr kräftig gewesen, so Bank-Ökonom Walter Pudschedl.

Weniger exportorientierte Unternehmen stark betroffen

Stark vom Lockdown belastet seien weniger exportorientierte Betriebe der Konsumgüterindustrie. Das habe sich im Jänner im Neugeschäft niedergeschlagen, aber auch in einem Rückgang der Produktion in diesem Bereich. In Summe hätten die heimischen Industriebetriebe ihre Produktion erneut ausgeweitet – der Produktionsindex sank allerdings auf 51,8 Punkte, den niedrigsten Wert des seit sieben Monaten laufen Industrieaufschwungs.

Erstmals seit dem Stellenabbau seit Beginn der Pandemie hätten die Industriebetriebe im Jänner wieder zusätzliche Jobs geschaffen, der Anstieg des Beschäftigtenindex auf 51,2 Punkte weise aber auf "ein noch recht bescheidenes Tempo des Jobaufbaus" hin, so Pudschedl in einer Aussendung. Die Produktivität im Industriesektor habe sich daher im Schnitt erneut leicht verbessert – nunmehr bereits seit acht Monaten. (APA, 27.1.2021)