Die Boxhandschuhe werden ausgezogen. Der Clinch dürfte auf einen Rechtsstreit hinauslaufen.

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Der Verband schloss unter anderem den Boxer Marcel Rumpler aus.

APA / Hans Punz

Österreichs Boxsport kommt nicht auf die Beine. Nachdem sechs Sportler des A-Kaders wie vom STANDARD berichtet, schwere Vorwürfe gegen Nationaltrainer Daniel Nader erhoben hatten, wurden drei davon am Dienstagabend in einer Online-Vorstandssitzung vom österreichischen Boxverband (ÖBV) aus dem Nationalkader ausgeschlossen und lebenslang gesperrt.

"Begründet wird dieses Votum aufgrund einer gezielten Medien- und Hetzkampagne, die in den letzten Wochen gegen den Verband sowie einzelne FunktionärInnen stattgefunden hat", hieß es in einer Aussendung. Gesperrt wurden Deshire Kurtaj, Umar Dzambekov und Marcel Rumpler, sie hatten Nader unter anderem Mobbing und eine fragwürdige Reduktion von Trainingslagern vorgeworfen.

Unterschiedliche Ansichten

Der ÖBV bemängelt, dass das Trio der Sitzung fernblieb. Die Sportler wiederum sagen: Es hätte keinen Sinn gehabt, denn sie hätten nur je 15 Minuten Redezeit bekommen, und es wäre wie bei der Sitzung im Oktober gelaufen. Damals hätte das Sextett – neben den Gesperrten sind das Aleksandar Mraović, Ahmed Hagag und Edin Avdić – die Anschuldigungen gegen Nader vorbringen sollen, am Ende wurden die Sportler allesamt suspendiert.

Aber damals, sagen sie, hätten sie keine echte Chance bekommen, sich zu erklären. Bei kritischen Äußerungen seien sie stummgeschaltet worden. Verbandspräsident Daniel Fleissner sieht das anders, er spricht von Wahrung der Gesprächskultur. Thomas Harreiter war damals noch Präsident des oberösterreichischer Verbands, als solcher war er bei der Vorstandssitzung dabei. Er berichtet dem STANDARD: "Die Sportler wurden zu wenig gehört."

Aussage vs. Aussage

In der Aussendung hält der ÖBV nun abermals fest, Beweise zu vermissen. Die Sportler verwiesen und verweisen immer wieder auf ihre Beweismappe. Jeder könne in diese Einsicht nehmen. "Fleissner hätte uns jederzeit mit der Mappe in sein Büro bitten können", sagt Kurtaj. Wieder steht Aussage gegen Aussage, denn Fleissner sagt: "Wir haben sie mehrfach eingeladen, ins Büro zu kommen." Dieses Angebot sei mit dem Ausschluss aber erloschen. Der Verband wolle sich nun auf Olympia 2024 konzentrieren und Nachwuchssportler aufbauen.

Damit scheinen die Olympia-Ambitionen dreier Sportler beendet, auch die drei nicht lebenslang gesperrten Athleten bleiben suspendiert. Sie dürfen für den ÖBV also nicht an internationalen Wettkämpfen teilnehmen – für Mraović ist das mäßig relevant, er ist ins Profilager gewechselt. Naders Boxclub Bounce bejubelte die ÖBV-Entscheidung in einer Presseaussendung.

Vor Gericht

Da im ÖBV-Vorstand angesichts 19:0 Stimmen für die lebenslangen Sperren offenbar Einigkeit herrscht, dürfte der Clinch auf einen Rechtsstreit hinauslaufen. Die Sportler wollten nach eigener Aussage noch am Mittwoch Anzeige erstatten. Auch der ÖBV behält sich rechtliche Schritte vor. "Unser Anwalt ist mit der Causa befasst", sagt Fleissner. (Martin Schauhuber, 27.1.2021)