Im politischen Italien gärt es – die Pandemielage scheint aber einigermaßen unter Kontrolle.

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Italien bleibt ein Sonderfall: Vor einem Jahr war es das erste Land Europas, das von der Covid-Pandemie heimgesucht wurde – und nun ist es das erste Land, das die epochale Gesundheitskrise ohne Regierung managen muss: Am Dienstag ist Ministerpräsident Giuseppe Conte – eher unfreiwillig – zurückgetreten. Im Moment wird unter der Regie von Staatspräsident Sergio Mattarella ein Nachfolger gesucht – der vielleicht wieder Conte sein wird.

Die Regierungskrise stellt bei der Bewältigung der Pandemie im Moment kein größeres Problem dar: Die laufenden Geschäfte werden von den Ministern fortgeführt. Den größten Teil der Pandemiebekämpfung leisten – neben den Fachleuten des Gesundheitsministeriums – ohnehin der wissenschaftliche Beirat und das nationale Sanitätsinstitut. Und wie die deutschen Bundesländer verfügen auch die italienischen Regionalregierungen über weitreichende Kompetenzen im Gesundheitswesen. Die Pandemiebekämpfung erfolgt "vor Ort", nicht in Rom.

Sinkende Zahlen

Vor allem aber besteht derzeit kein akuter Handlungsbedarf zur Verschärfung der Schutzmaßnahmen, im Gegenteil: In Italien zeigen die Kurven der Fallzahlen seit über zwei Wochen nach unten (siehe Grafik unterhalb). Derzeit sind im italienischen Ampelsystem nur noch zwei Regionen als rote Zonen eingestuft, nämlich die autonome Provinz Südtirol und Sizilien. Alle anderen Regionen sind orange oder gelb. Im ganzen Land gilt aber immer noch eine Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr.

Bis zur Reduktion der Impfstofflieferungen durch Biontech/Pfizer klappte in Italien auch die Impfkampagne überdurchschnittlich gut: Bis zum Montag hatten 1,37 Millionen Italiener ihre erste Spritze erhalten, was 2,17 Prozent der Bevölkerung entspricht. In Deutschland lag der Prozentsatz zur gleichen Zeit bei 1,79 und in Frankreich bei 1,48. Der Ärger über die Lieferengpässe war groß in Rom: Die Regierung hatte vor ihrem Sturz noch rechtliche Schritte gegen Biontech/Pfizer angedroht.

Inzwischen sind in Italien die meisten Schülerinnen und Schüler wieder in ihre Klassen zurückgekehrt – am Montag alleine in der Lombardei über eine halbe Million Oberschüler und Gymnasiasten. Die norditalienische Region war von rot auf orange zurückgestuft worden. Die Kindergärten und Volksschulen haben seit den Feiertagen ohnehin in den meisten Regionen Präsenzbetrieb. Fernunterricht in den oberen Klassen gibt es derzeit noch in acht der 20 Regionen. (Dominik Straub aus Rom, 28.1.2021)