Neuseeland (im Bild der Jachthafen von Auckland) liegt in der Liste jener Staaten, die am besten mit der Pandemie umgegangen sind, auf Rang eins.

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Sind Diktaturen besser darin, Pandemien zu bekämpfen? Müssen ärmere Staaten die Katastrophe fürchten, während sich reichere Länder die Gesundheit ihrer Bürgerinnen und Bürger erkaufen? Das waren die bangen Fragen, die sich viele im Laufe des Jahres 2020 stellten. Der australische Thinktank Lowy Institute hat sich nun erstmals internationale Daten aus 98 Ländern dazu im Vergleich angesehen – und ist zu einem erstaunlichen Resultat gelangt: Weder die Regierungsform noch der Wohlstand von Staaten hatten über den Gesamtverlauf des vergangenen Jahres einen signifikanten Einfluss darauf, ob die Pandemiebekämpfung mit oder ohne Erfolg ablief. An den Daten gibt es aber auch Kritik.

Insgesamt kommt das Institut zu einem ernüchternden Ergebnis. "Einige Länder haben die Pandemie zwar besser bewältigt als andere – aber die meisten stehen nur im Wettkampf um relative Performanceschwäche miteinander", heißt es. Will heißen: Nur sehr wenige haben in allen Kategorien (Gesamtzahl der Infektions- und Todesfälle, Anteil pro Million Einwohner, und Gesamtzahl sowie Rate der Tests) wirklich gute Ergebnisse erzielt – und nicht einfach nur solche, die etwas besser sind als die in anderen Staaten. Spitzenreiter ist Neuseeland, Vietnam und Taiwan liegen dahinter. Bester EU-Staat ist Zypern (Rang fünf), direkt vor Ruanda.

Klein ist besser

Österreich findet sich nur auf Platz 42. Dabei hätte das Land in der einzigen Kategorie, die tatsächlich signifikante Unterschiede ergab, einen Vorteil: Kleinere Länder hätten die Pandemie messbar besser in den Griff bekommen als große, ergibt die Analyse des Instituts.

Hypothese für die Gründe: Große Staaten würden sich mit der Errichtung interner Grenzen schwertun, kleinere Länder seien auch kleinere Infektionseinheiten – man sei also besser vor der Ausbreitung regionaler Infektionsherde geschützt, weil die Grenzen enger gezogen sind. Das würde auch Österreichs Resultat erklären, das im Schengenraum liegt und dessen Grenzen schwer hermetisch zu schließen sind.

Reichtum ist kein Schutz

Relativ beruhigend fällt hingegen das Urteil zur Frage der Regierungssysteme aus. Zwar hätten Diktaturen das Virus schneller unter Kontrolle bekommen. Über das ganze Jahr 2020 hinweg seien die demokratischen Systeme aber sogar überlegen gewesen – auch wenn es im Winter wieder einen Einbruch in EU und USA gegeben habe. Und auch wenn China – zweifellos ein großes Manko der Untersuchung – wegen des Fehlens glaubhafter Daten nicht in die Studie einbezogen wurde. Auffällig: Hybridsysteme schnitten fast die ganze Zeit über schlecht ab.

Relativer Reichtum hingegen entpuppte sich nur zeitweise als Vorteil. Mit Ende 2020 waren die reichen Staaten vollständig auf das Corona-Bekämpfungs-Niveau der Entwicklungsländer zurückgefallen. Daten dazu, wie Länder die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie bewältigen, fehlen der Studie allerdings. (mesc, 28.1.2021)