Google und Apple pflegen ein interessantes Verhältnis.

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Es ist ein bemerkenswerter Vorgang, den eines der größten Werbeunternehmen da so beiläufig in einem Blogeintrag verkündet. Google will künftig auf die Nutzung der Werbe-ID und diverser anderer Tracker bei all seinen iOS-Apps verzichten. Damit reagiert man auf eine kommende Privacy-Verschärfung bei Apples iPhones-Betriebssystem.

ATT

Konkret geht es um die "App Tracking Transparency" (ATT). Diese zwingt App-Anbieter dazu, sich explizit eine Genehmigung der Nutzer einzuholen, wenn sie auf gewisse personalisierte Daten zugreifen – und dazu gehört eben sogar Apples eigene Werbe-ID. Derzeit ist die ATT zwar noch optional, sie soll aber in absehbarer Zeit verpflichtend werden, wie der Hersteller gerade erst betonte.

Bei Google hat man nun eine recht banale Erklärung, warum man künftig auf diese Tracker verzichten will: Es sei zu erwarten, dass der Großteil der Nutzer die – von Apple recht deutlich formulierte – Tracking-Erlaubnis ablehnen werde. Insofern macht es also auch keinen Sinn mehr, sie überhaupt aufzunehmen. Zumal man selbst solche Dinge ohnehin nur in einer Handvoll der eigenen Apps benutze. Langfristig wolle man aber ohnehin verstärkt auf neue Lösungen für angepasste Werbungen setzen, bei denen kein Tracking von individuellen Usern stattfindet. Dabei verweist man auf die "Privacy Sandbox" für Chrome, die klassische Cookies ablösen soll.

Facebook legt es lieber drauf an

Damit steht die Reaktion von Google in einem verblüffenden Widerspruch zu jener von Facebook. Der zweite große Anbieter von Online-Werbung hat sich zuletzt auf einen offenen Konflikt mit Apple eingelassen. Aktuell ist sogar zu hören, dass Facebook eine Kartellklage gegen den iPhone-Hersteller anzetteln will.

Diese starke Reaktion mag damit zusammenhängen, dass Experten davon ausgehen, dass die neuen Regeln spürbare Konsequenzen auf die Finanzen von Facebook haben könnten – von bis zu sieben Prozent weniger ist dabei die Rede. Immerhin ist iOS zwar nicht die am meisten genutzte Smartphone-Plattform der Welt, aber jene, auf der die meisten Umsätze generiert werden.

Rechnung

Dass es Konsequenzen für das Werbegeschäft haben wird, davon geht auch Google aus. Allerdings geht man offenbar davon aus, dies für die eigenen Dienste im Griff zu haben. Anders sieht es für die eigenen Partner: Google spricht von "signifikanten Auswirkungen" auf den Wert von Werbung, da wichtige Daten – etwa über folgende App-Installationen oder Einkäufe – wegfallen würden.

Insofern sind die Apple-Änderungen auch die Nagelprobe für einen seit längerem schwelenden Streit: jenen um die Frage, wie viel wertvoller auf einzelne User zugeschnittene Werbung im Vergleich zu Breitenwerbung wirklich ist. Diese Frage könnte nun über die Bilanzzahlen von Firmen wie Facebook oder auch Google geklärt werden. (Andreas Proschofsky, 28.1.2021)