Ein 31-Jähriger ist in der Nacht auf Freitag am Grazer Straflandesgericht wegen zweifachen versuchten Mordes zu 15 Jahren Haft und einer Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verurteilt worden. Er hatte im Juli 2020 auf einem Supermarktparkplatz in Graz sechs Schüsse abgegeben und einen 19-Jährigen am Oberschenkel getroffen. Zwei Passanten wurden durch Splitter verletzt. Der Angeklagte fühlte sich nur teilweise schuldig. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Prozess hatte am Dienstag begonnen und endete in der Nacht auf Freitag erst nach Mitternacht. Die Geschworenen befanden den Angeklagten einstimmig für schuldig. Er soll die Schüsse gezielt auf jugendliche Kontrahenten abgegeben haben. Die Laienrichter erkannten keine Notwehr.

"Es gibt auch eine ganz andere Sicht auf die Ereignisse", hatte Verteidiger Gerald Ruhri noch im Eröffnungsplädoyer gesagt. Er beschrieb den 31-Jährigen als hilfsbereiten Nachbarn, der zu Weihnachten mit einer blinkenden Weihnachtsmann-Mütze anzutreffen gewesen sei. Die Auseinandersetzung mit den Jugendlichen war seiner Meinung nach anders abgelaufen. Der Schuss sei dann nur Notwehr gewesen. (APA, 29.1.2021)