Am Ende erwiesen sich sämtliche Erwägungen über mögliche Altersbeschränkungen als nichtig. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat den Covid-19-Impfstoff der Pharmafirma Astra Zeneca für alle Menschen über 18 Jahre zugelassen. In den Regierungskanzleien quer durch die EU dürfte das für erleichtertes Aufseufzen sorgen. Ein Problem weniger in dieser verzwickten, von Virusmutanten und Vakzinknappheit bestimmten Situation.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat den Covid-19-Impfstoff der Pharmafirma Astra Zeneca für alle Menschen über 18 Jahre zugelassen.
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Auch im österreichischen Gesundheitsministerium kann man hiermit zu den ursprünglichen Rolloutplänen für die Immunisierung zurückkehren. Theoretisch steht der anwenderfreundliche Astra-Zeneca-Impfstoff für die Immunisierung der erwachsenen Bevölkerung jeden Alters zur Verfügung – wenn sich die hiesigen Entscheider, das Nationale Impfgremium und Minister Rudolf Anschober, über das in der EMA-Begründung festgehaltene Fehlen ausreichender Daten zur Wirksamkeit des Vakzins bei über 55-Jährigen hinwegsetzen. Wenn sie es also Deutschland nicht gleichtun, wo die Ständige Impfkommission den Stoff nur für die unter 65-Jährige für geeignet hält.

Wirkkraft des Vakzins

Laut einer ersten Reaktion aus dem Gesundheitsministerium ist eine solche Einschränkung auch hierzulande denkbar. Doch diese Entscheidung könnte sich binnen weniger Wochen wieder erübrigen. Laut Experten wird es nicht mehr lange dauern, bis valide Erkenntnisse über die Wirkkraft des Vakzins bei Menschen in höherem Alter vorliegen; immerhin wurde der Astra-Zeneca-Impfstoff in Großbritannien schon abertausenden Angehörigen der älteren Generation verabreicht.

Auch darüber hinaus ergeben sich aus dem EMA-Entscheid Unwägbarkeiten. So großzügig die Anwendung des dritten Impfstoffs in der EU nun auch von der Kommission erlaubt werden dürfte – die Frage, ob es in absehbarer Zeit auf dem europäischen Festland genug Impfstoff geben wird, beantwortet er nicht. Der Streit zwischen Astra Zeneca und der EU-Kommission ist keineswegs bereinigt; die jüngsten Zusagen des Unternehmens, im Februar doch mehr Dosen zu liefern, sind vage.

In Sachen Impfstrategie kündigt sich daher auch in Österreich ein Fahren auf Sicht an, wie wir es in diesen Pandemiezeiten bereits leidvoll gewohnt sind. Die Pläne, wer in Österreich nach wem immunisiert werden kann, wann und womit, werden wohl auch in den kommenden Wochen und Monaten immer wieder geändert werden müssen. Aber immerhin ist mit dem heutigen Tag wahrscheinlicher geworden, dass bald auf breiter Front geimpft werden kann. (Irene Brickner, 29.1.2021)