Boris Johnson, nach Eigendefinition Enthusiast des Freihandels, sucht nach dem Brexit Anschluss für das Vereinigte Königreich

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London – Das Vereinigte Königreich will sich nach dem EU-Austritt für eine Aufnahme in das transpazifische Handelsabkommen CPTPP der Pazifikanrainerstaaten bewerben. Das teilte die britische Regierung mit. Am Montag sollen dazu erste Gespräche mit Vertretern Neuseelands und Japans aufgenommen werden, Verhandlungen sollen im Laufe des Jahres beginnen.

"Ein Jahr nach unserem Abschied von der EU schmieden wir neue Partnerschaften, die dem britischen Volk enorme wirtschaftliche Vorteile bringen", erklärte Premierminister Boris Johnson. Das Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership (CPTPP) hat bisher elf Mitgliedsstaaten, darunter Japan, Kanada, Mexiko, Australien und Neuseeland. Der Schritt zeige, dass Großbritannien ein "enthusiastischer Vorkämpfer des Freihandels" sei.

Von Japan bis Mexiko

Zu den Mitgliedern des 2018 in Kraft getretenen Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership (CPTPP) gehören unter anderen Japan, Kanada, Australien, Neuseeland, Mexiko, Singapur und Vietnam. Mit sieben der elf Staaten haben die EU und inzwischen auch Großbritannien jedoch bereits bilaterale Freihandelsabkommen vereinbart.

Nach Ansicht von Holger Hestermeyer, einem Professor für Internationales Recht und Europarecht am Londoner King's College, ist der wirtschaftliche Gewinn für die Briten durch CPTPP derzeit eher begrenzt. Das liege unter anderem an der großen geografischen Distanz, die zu einem geringeren Handelsaufkommen führe und der geringeren Größe der Wirtschaftsräume, mit denen bisher noch keine Abkommen vereinbart seien, so der Experte. "Wer sich von CPTPP eine wirtschaftliche Kompensation des Austritts aus der EU erhofft, wird enttäuscht werden", sagte Hestermeyer. Der BBC zufolge beläuft sich der Anteil der britischen Exporte in die CPTPP-Staaten auf 8,4 Prozent – ungefähr so viel, wie Großbritannien allein nach Deutschland ausführt.

Mit USA würden Karten neu gemischt

Anders würde sich die Sache jedoch darstellen, sollten die USA wieder Interesse an dem trans-pazifischen Handelsabkommen gewinnen. "Dann würden die Karten neu gemischt", so Hestermeyer. Die Vereinigten Staaten waren einst unter Ex-Präsident Barack Obama die treibende Kraft hinter dem damals als TPP bezeichneten Handelsabkommen, das als Gegengewicht zur wirtschaftlichen Macht Chinas etabliert werden sollte. Sein Nachfolger Donald Trump hatte jedoch kein Interesse daran und beendete die Gespräche. Das könnte sich nun wieder ändern. Für einen Beitritt spreche aus Sicht der Briten auch, dass der pazifische Raum ein Wachstumsraum sei, sagte der Experte.

In Sachen Wirtschaftskraft und Integration hinkt der CPTPP-Binnenmarkt dem der Europäischen Union hinterher. Zwar haben die Mitglieder zollfreien Handel auf vielen Waren vereinbart, doch die Harmonisierung von Standards und Regeln ist sehr viel weniger stark ausgeprägt als in der EU. Im CPTPP-Wirtschaftsraum mit seinen etwa 500 Millionen Menschen werden etwa 13 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwirtschaftet. Der Anteil der EU mit ihren rund 450 Millionen Einwohnern am globalen BIP wird auf mehr als 16 Prozent geschätzt. (dpa, red, 31.1.2021)