Es geht nach Peking.

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Hoffnung ist derzeit ein gefragtes Gut in der olympischen Bewegung. Fast täglich versichern das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die Organisatoren von Tokio 2020, dass die bereits um ein Jahr verschobenen Sommerspiele dieses Mal auch wirklich stattfinden – da wirft bereits das nächste umstrittene Mega-Event seine Schatten voraus.

Am Donnerstag in einem Jahr sollen die Winterspiele in Peking eröffnet werden. Und die Diskussionen um das Großprojekt in China werden im Vorfeld, so viel scheint sicher, an Schärfe zunehmen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und vor allem die Menschenrechtsfrage dürften spätestens im kommenden Winter die bestimmenden Themen werden.

"Exzellente Vorbereitungen"

So war es an IOC-Präsident Thomas Bach, zum Stichtag Zuversicht zu verbreiten. "Wir können bereits ein Jahr zuvor sagen, dass alle Wettkampfstätten fertig sind, die Vorbereitungen sind exzellent", sagte Bach. Vom 4. bis 20. Februar 2022 sind die Olympischen Spiele, vom 4. bis 13. März 2022 die Paralympics terminiert. Erstmals wird dann eine Stadt Sommer- und Winterspiele ausgerichtet haben. Nach Pyeongchang 2018 finden damit zum zweiten Mal nacheinander Winterspiele in Asien statt.

Es sei "fast ein Wunder", so Bach im Interview mit der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua, dass die Vorbereitungen trotz der Pandemie so glatt liefen. Dennoch: Der Einfluss des Coronavirus ist spürbar. In zahlreichen Sportarten fielen die geplanten Testwettkämpfe aus. Ob Biathlon, Ski Alpin oder Skispringen – der Härtetest für Anlagen und Abläufe wird unter ganz anderen Bedingungen stattfinden als normal.

Mitte Januar sorgte ein Corona-Infektionsherd in der Provinz Hebei, wo einige Olympia-Entscheidungen stattfinden sollen, für Schlagzeilen. Drei Millionenstädte wurden von den Behörden abgeriegelt. Der Blick der Peking-Organisatoren geht dabei auch nach Tokio. Man werde genau beobachten, welche Maßnahmen dort ergriffen würden, hieß es. Der Pekinger Vorteil: Das weltweite Impfprogramm dürfte Monate nach Tokio weit fortgeschritten sein.

Rückschritte

Beim Thema Menschenrechte gibt es für Nichtregierungsorganisationen wie Human Rights Watch (HRW) dagegen Rückschritte. "Die Spiele 2022 werden unter Menschenrechtsbedingungen stattfinden, die signifikant schlechter sind als bei den Spielen in Peking 2008", hieß es Mitte Dezember in einem Offenen Brief an Bach. Zuvor hatte bereits ein Zusammenschluss von 160 Menschenrechtsgruppen das IOC aufgefordert, Peking die Ausrichtung zu entziehen.

2008 hatte der Konflikt um Tibet für Aufregung gesorgt. Momentan entzündet sich die Kritik am Vorgehen der chinesischen Regierung gegen die muslimischen Minderheit der Uiguren. Kurz vor Ende seiner Amtszeit warf der damalige US-Außenminister Mike Pompeo China offiziell "Völkermord" vor.

Die USA

"Ich glaube, dass dieser Genozid andauert und dass wir Zeugen des systematischen Versuchs des chinesischen Parteienstaates werden, Uiguren zu zerstören", hatte er vor zwei Wochen erklärt. Bereits seit mindestens März 2017 verübe China "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Der neue US-Präsident Joe Biden hatte im vergangenen Jahr mit Blick auf das Vorgehen Chinas gegen die Uiguren ebenfalls von einem Völkermord gesprochen.

In der nordwestchinesischen Provinz Xinjiang sind nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen und Forschern mindestens eine Million Uiguren und andere Muslime in Lagern eingesperrt. Sie werden demnach zur Aufgabe ihrer Religion, Kultur und Sprache gezwungen und teilweise auch misshandelt. Die chinesische Regierung verhängte nach den Äußerungen Sanktionen gegen Pompeo und mehr als zwei Dutzend weitere Personen. (sid, red, 2.2.2021)