Der gewaltsame Tod von George Floyd hat zu landesweiten Protesten geführt.

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Mehr als acht Monate ist der gewaltsame Tod von George Floyd nun her – nun kommen mehr Details über die Polizeiarbeit seines mutmaßlichen Mörders ans Licht. Der Beschuldigte Derek Chauvin soll schon zuvor immer wieder die Praxis angewandt haben, auf Verdächtigen zu knien und ihnen dabei die Luft abzuschnüren. Im Mai 2020 starb George Floyd, nachdem Chauvin fast neun Minuten auf seinem Hals gekniet war. Nach dem Erstickungstod des Schwarzen kam es zu landesweiten Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt.

Die "New York Times" brachte nun in Kooperation mit dem "Marshall Project" sechs weitere Fälle seit 2015 ans Licht, die ein ähnliches Vorgehen Chauvins dokumentieren. Eine Betroffene ist etwa Zoya Code, die Chauvins Knie eigenen Angaben zufolge auf ihrem Hals spürte, als er sie nach einem Streit mit ihrer Mutter verhaften wollte. Auch mehrmalige Bitten der jungen Schwarzen, damit aufzuhören und sie "bitte nicht umzubringen", ignorierte er demnach.

Weitere Betroffene und Zeugen beschrieben Chauvin als ungewöhnlich groben Polizisten, der kein Mitgefühl zeigen würde. Auch Floyd hatte mehrfach gesagt, er würde keine Luft mehr bekommen.

Mehrere Beschwerden

Folgen hatten die Vorwürfe für Chauvin offenbar nicht – obwohl in mindestens zwei Fällen auch formell Beschwerde eingereicht worden war. Insgesamt wurden gegen Chauvin laut "New York Times" in seiner fast 20-jährigen Karriere bei der Polizei 22 Beschwerden eingereicht und interne Untersuchungen eingeleitet.

Der Fall von Zoya Code wird als Teil des Verfahrens gegen den Polizisten gehört werden, der Prozess soll am 8. März beginnen. Chauvin wird Mord zweiten Grades zur Last gelegt, ihm drohen damit bis zu 40 Jahre Haft. Drei weitere Beteiligte und ebenfalls bereits entlassene Polizisten werden wegen Beihilfe und Anstiftung zum Mord angeklagt. (maa, 3.2.2021)