Die Querelen in Österreichs Boxverband ziehen sich: Es ist zu befürchten, dass dem STANDARD die Feature-Fotos der Bildagenturen ausgehen.

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Wien – Die Saga um den Machtkampf in Österreichs Boxverband ist um eine Episode reicher. Die Suspendierung des gesamten A-Nationalkaders sowie die lebenslangen Sperren von Deshire Kurtaj, Umar Dzambekov und Marcel Rumpler dürften nach der Einschätzung von Rechtsexperten bei einer Anfechtung kaum halten.

Das Trio wurde vergangene Woche wegen "massiv schädigenden Verhaltens gegenüber dem ÖBV und dessen FunktionärInnen" gesperrt, nachdem es mit drei weiteren Topathleten schwere Vorwürfe gegen Nationaltrainer Daniel Nader erhoben hatte. Im Oktober war das Sextett suspendiert worden, im Jänner ging es an die Öffentlichkeit.

Instanzenfrage

Der Vorstand beschloss die Sperre mit 19:0 Stimmen. Die Satzung des Boxverbands sieht vor, dass Strafen vom Disziplinarausschuss verhängt werden. Aber: "Der Vorstand hat als zweithöchstes Gremium die Möglichkeit, über Ausschlüsse zu entscheiden", sagt Verbandspräsident Daniel Fleissner, selbst Jurist.

Laut dem im Sport bewanderten Anwalt Nikolaus Rosenauer wurde dabei aber eine Instanz übersprungen: "Allein deshalb müsste die Entscheidung aufgehoben werden." Ein wichtiges Detail sei der genaue Wortlaut in Paragraph 21 der Satzung, in dem steht: "Die Strafen sind vom Disziplinarausschuss zu verhängen und zu vollziehen."

Rechtsfragen

Laut den Sportlern wurde die Aufhebung der Suspendierungen und Sperren beim ÖBV beantragt. Vor Gericht würden die Sperren so oder so nicht halten, sagte Rosenauer bei einer von dem Verein Wir Frauen im Sport organisierten Diskussion. "Diese lebenslange Sperre hält einem Instanzenzug unter keinen Umständen stand", sagte Rosenauer. Es fehle "jegliche Verhältnismäßigkeit".

Der Boxverband habe eine marktbeherrschende Stellung, Sportler könnten nur über ihn an großen Turnieren teilnehmen. Rosenauer verwies auf den Fall des Ex-Fußballers Dominique Taboga, dessen lebenslange Sperre ein Gericht aufhob.

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Wir Frauen im Sport

Wolfgang Mazal, Professor für Arbeits- und Sozialrecht, pflichtete ihm bei und kritisierte auch die "enge personelle Verflechtung zwischen Dachverband, Mitgliedsverband und Nationaltrainer. Das ist etwas, das strukturell nach Unvereinbarkeitsregelungen schreit." Außerdem sei es laut Mazal für die Bundessportorganisation an der Zeit, sich einzuschalten.

Sollten den Sportlern wegen unzulässiger Entscheidungen Preisgelder oder Sponsorverträge entgehen, würde sich laut Rosenauer auch die Haftungsfrage stellen. Auch die Bundes-Sport-GmbH verfolgt als Fördergeber die Vorkommnisse. Ihr Geschäftsführer Sport, Clemens Trimmel, sagt dem STANDARD: "Wir schauen uns die Abrechnungen wie immer genau an, da gibt es beim Boxverband keine Auffälligkeiten." Erfreut von den Scharmützeln sei man freilich trotzdem nicht: "So etwas ist nie förderlich. Wir müssen uns das aus dem Hintergrund anschauen und beobachten es genau." (Martin Schauhuber, 3.2.2021)