Alexej Nawalny muss am Freitag erneut vor Gericht.

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Nawalnys Anwältin Olga Michailowa vor dem Verleumdungsprozess.

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Omsk – Einer der führenden Ärzte des russischen Spitals, in dem der Oppositionsführer Alexej Nawalny nach seiner Vergiftung im Sommer behandelt worden war, ist gestorben. Das teilte die Krankenhausleitung am Donnerstag mit. Sergej Maximischin war stellvertretender Oberarzt im Omsker Notfallkrankenhaus.

Er starb "plötzlich" im Alter von 55 Jahren, wie es in dem Spitalsstatement heißt: "Mit Bedauern müssen wir mitteilen ..., dass der stellvertretende Oberarzt der Anästhesie und Reanimation des Notfallspitals Nummer eins, Assistent an der Omsker Medizinuniversität, Doktor der Medizinwissenschaften, Sergej Walentinowitsch Maximischin, plötzlich gestorben ist." Die Todesursache wurde nicht erwähnt.

Seit 28 Jahren im Krankenhaus

Nawalny wurde am 20. August in die Notaufnahme des Krankenhauses eingeliefert, nachdem er während eines Flugs mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet worden war. Der Pilot führte eine Notlandung am Flughafen von Omsk durch. Der nun verstorbene Maximischin trat während des Aufenthalts des berühmten Politikers nicht vor die Presse. Als stellvertretender Oberarzt war er damals aber einer der höchstrangigen Mediziner im Spital. Das Omsker Gesundheitsministerium sagte zu CNN, dass Maximischin 28 Jahre im Krankenhaus gearbeitet und tausende Leben gerettet habe.

Erneuter Prozess

Nach der Behandlung in Omsk war Nawalny nach Berlin zur weiteren Versorgung geflogen worden – nach seiner Genesung und Rückkehr nach Russland wurde er verhaftet und wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen jüngst zu dreieinhalb Jahren Straflager verurteilt.

Am Freitag wird Nawalny erneut vor Gericht erscheinen. Im wird die Verleumdung eines Weltkriegsveteranen vorgeworfen. Dieser hatte in einem Werbevideo im vergangenen Jahr die Kreml-Reformen unterstützt, die Präsident Wladimir Putin zwei weitere Amtszeiten nach 2024 ermöglichen, wenn er das möchte. Nawalny hatte alle Beteiligten an dem Video als Verräter ohne Gewissen und korrupte Lakaien bezeichnet.

Im Fall einer Verurteilung drohen dem Politiker bis zu fünf Millionen Rubel (56.000 Euro) Strafe. Für Freitag wird noch kein Urteil erwartet.

Das Vorgehen des russischen Staats gegen den Oppositionellen hatte zu Verurteilungen der westlichen Staats- und Regierungschefs geführt. In Russland finden seitdem regelmäßig Proteste statt, bei denen immer wieder mehr als 1.000 Menschen verhaftet werden. (red, 5.2.2021)