Auch das Hotel Sacher darf wie alle anderen Ringstraßenhotels in Wien und andere Beherbergungsbetriebe im Land bis auf weiteres nur Geschäftsreisende einlassen, keine Touristen.

Foto: reuters/föger

Verkehrte Welt. Dass die Dame oder der Herr beim Empfang der spontan anrufenden Person einen Korb geben und auf später vertrösten muss, kommt vor, speziell im Februar. Es sind Semesterferien, und es ist Hauptreisezeit. Dass aber trotz leerer Häuser keine Buchung angenommen wird, liegt an Corona. Und das tut nicht nur Hoteliers in der Seele weh, es stößt auch bei zunehmend mehr Gästen auf Unverständnis.

"Mitgliedsbetriebe berichten uns von Anrufern, die sagen, bitte macht mehr Druck, dass ihr aufsperren könnt. Wir wollen auf Urlaub fahren, wir halten das nicht länger aus", sagte Markus Gratzer, Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), im Gespräch mit dem STANDARD.

Im Herbst und auch noch Anfang des Jahres sei das Verständnis für die verordnete Schließung der Hotellerie auch bei Stammgästen noch groß gewesen. Insgesamt gibt es in Österreich an die 14.000 Beherbergungsbetriebe. Zur Eindämmung der Pandemie sollten alle und wollten die allermeisten einen Beitrag leisten – mit Murren vielleicht, aber doch. Weil viele nun aber auch die Semesterferien gezwungenermaßen zu Hause absitzen müssen, wächst der Unmut. Homeoffice und Homeschooling, wo Familien ohnehin tagaus, tagein aufeinanderpicken, fordern ihren Tribut.

"Schweiz macht es besser"

Markus Schröcksnadel, Tourismusunternehmer aus Tirol, konstatiert ebenfalls wachsende Ungeduld hierzulande. Er ist mit Skiliften, Hotels und Gastronomiebetrieben vor allem in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) stark vertreten, mit Werbeflächen weit darüber hinaus. Aufgrund seiner Erfahrung mit Corona-Maßnahmen in anderen Ländern glaubt er sagen zu können, dass der österreichische Weg in der Pandemiebekämpfung wohl nicht das Gelbe vom Ei ist.

"Schweizer Tourismusregionen wie beispielsweise das Wallis, das hohe Berge hat, kaum Industrie, wenig andere Einkaufsmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung und damit durchaus vergleichbar ist mit Tirol oder Salzburg, die performen besser", sagt Schröcksnadel. "Die haben ein Drittel der Nächtigungen verloren – und nicht wie wir mehr als zwei Drittel. Die Berggastronomie ist zu, dafür gibt es Take-away. Die Hotellerie hatte immer offen, auch jetzt noch. Somit kann in der Schweiz auch noch das nachgelagerte Gewerbe leben – Tischler, Metzger, Bäcker und all die anderen."

"Deutschland ist konsequenter"

Auch von den deutschen Nachbarn heiße es, die seien so streng. Schröcksnadel: "Die sind in ihrem Lockdown gar nicht so streng, aber zumindest konsequent. Das vermisse ich bei uns in Österreich." Das ständige Auf und Zu mache die Leute mürbe. Auch die Tatsache, dass kaum jemand mehr wisse, was wo gilt, trage dazu bei, dass die Menschen allmählich resignierten.

"Wir brauchen ein klares Konzept für einen Restart", sagt Gratzer, der für knapp 1600 Mitgliedsbetriebe der Drei-, insbesondere aber der Vier- und Fünfsternekategorie in Österreich spricht. Wie bei körpernahen Dienstleistungen (Friseur, Masseur), die ab sofort mit negativem Corona-Test wieder aufgesucht werden können, sei auch die Wiedereröffnung von Hotellerie und Gastronomie im März nach viermonatiger Zwangspause möglich.

Selbsttest auch im Hotel

"Wir sind überzeugt, dass das geht, und haben das im Sommer unter Beweis gestellt", sagt Gratzer. Und noch etwas: Im Gegensatz zum vorigen Sommer seien nun auch genügend Tests vorrätig. "Es kommen ständig neue dazu, und sie werden auch immer präziser", sagt Gratzer.

Selbsttests seien ein "Game-Changer", weil kein medizinisches Personal mehr notwendig sei. "Solche Selbsttests, wie sie nun auch in den Schulen Eingang finden, könnten künftig als Teil des Hotelarrangements angeboten werden. Wir bräuchten aber rasch Klarheit, wie das Ganze vonstattengehen soll, wie man das Testergebnis speichern, wie lange man es aufbewahren muss und ob Selbsttests überhaupt anerkannt werden", sagt Gratzer. Zwei Wochen Vorlauf sei das Mindeste, was Hotels bräuchten, bevor sie aufsperren könnten.

Entscheidung über Öffnungsschritte fällt in einer Woche

Insbesondere in der Thermenregion seien Betriebe interessiert, möglichst rasch wieder Gäste begrüßen zu dürfen. Auch der eine oder andere Hotelier in Tirol werde aufsperren, um noch ein paar Wochen Winter mitzunehmen. Viele Betriebe hätten freilich mit der Saison bereits abgeschlossen.

Ob der Lockdown, der in Hotellerie und Gastronomie seit 2. November gilt, über Februar hinaus verlängert wird, ist ungewiss. Darüber will die Politik auf Basis der Infektionszahlen kommendes Wochenende entscheiden.

(Günther Strobl, 8.2.2021)