Viele Legionäre bedeuten wenig Platz für heimische Talente.

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Wien – Reisebeschränkungen hin, wirtschaftliche Krisensituation her, das Coronavirus hat die Legionärsflut in der ICE-Eishockeyliga nicht stoppen können. Im Gegenteil. Die acht österreichischen ICE-Vereine haben zu den Transferkarten gegriffen wie wohl nie zuvor. Im am Sonntag zu Ende gegangenen Grunddurchgang wurden 107 Legionäre eingesetzt, also durchschnittlich 13,375 pro österreichischer Mannschaft.

In den vergangenen Jahren hatten die heimischen Clubs während einer Saison meist zwischen 90 und 100 Transferkartenspieler engagiert. Die Hoffnung, dass aufgrund der Pandemie diese Zahl in der erstmals als Ice Hockey League laufenden Meisterschaft zurück geht, erfüllte sich nicht.

Das Argument, man braucht Legionäre, um mit Siegen die Halle zu füllen, fällt heuer weg. Aber zu verlockend war es, die einzigartige Chance am internationalen Transfermarkt zu nutzen. Da die länderübergreifende österreichische Liga am 29. September startete, Ligen wie NHL (Start am 1. Jänner) oder deutsche DEL (Mitte Dezember) aber noch lange pausierten und etwa die zweitklassige nordamerikanische AHL noch immer nicht spielt, war das Angebot an Spielern sehr groß.

Lockmittel Spielpraxis

Und die ICE lockte mit Spielpraxis. Einige auch international hoch gehandelte Talente wie der Deutsche John Jason Peterka, aber ebenso arrivierte Spieler – wie auch Österreichs aktuell einziger NHL-Profi Michael Raffl (VSV) – waren so für die heimischen Clubs zu haben, auch wenn teilweise nur für ein paar Wochen.

Während manche Mannschaft mit zwölf Legionären auf dem Eis stand, gab es bei anderen Vereinen aber auch erfreuliche Entwicklungen hin zur heimischen Jugend. Allen voran bei den Vienna Capitals, die im Jänner und Februar oft mit nur drei oder vier Legionären, aber 15 Wienern gespielt haben. Zudem setzen die Caps mit Routinier Bernhard Starkbaum und Talent Sebastian Wraneschitz auf ein österreichisches Torhüter-Duo. Oder beim KAC, der mit sieben die wenigsten Fremdarbeiter im Kader hat. Bei Salzburg kamen zwar 16 Legionäre zum Einsatz (die Hälfte davon U20-Spieler), aber es kamen auch viele junge Österreicher regelmäßig zum Zug.

Die meisten Legionäre setzte Salzburg (16) ein, gefolgt von Dornbirn, Linz und Graz (je 15) sowie Innsbruck und Villach (je 14). Aus dem Sextett hat nur Salzburg den Sprung in die Pick Round geschafft. (APA, 8.2.2021)