Postkarte vom Kraken Mare auf Titan.
Illustration: NASA/John Glenn Research Center

Der Saturnmond Titan zeigt, wie man von vollkommen unterschiedlichen Ausgangslagen zu sehr ähnlichen Ergebnissen kommen kann. Er ist der einzige bekannte Himmelskörper im Sonnensystem, der einen ähnlich komplexen Flüssigkeitskreislauf mit Wolken, Regen, Flusssystemen und Seen hat wie die Erde. Aufgrund der niedrigen Temperaturen zirkuliert dort allerdings kein Wasser, sondern es sind Kohlenwasserstoffe wie Methan und Ethan.

Die Ähnlichkeit zur Erde könnte aber auch bedeuten, dass sich Titan auf eine Weise erkunden ließe, die beispielsweise auf Mond oder Mars nicht möglich wäre: nämlich mit dem Tauchboot. Solche Projekte sind bislang zwar nicht über das Stadium vager Ideen hinausgekommen, aber eine geeignete Stelle haben Forscher der Cornell University bereits ausgemacht: Kraken Mare.

Großer See mit ungeheurem Namen

Benannt ist es nicht nach dem Kraken (in deutscher Aussprache), sondern vielmehr nach "The Kraken", der mythologischen Riesen-Version eines Kopffüßers, der ganze Schiffe unter Wasser ziehen können soll. Kraken Mare ist der größte unter den Seen auf Titan, vergleichbar in seiner Ausdehnung mit dem Kaspischen Meer.

Aus Daten der Cassini-Sonde hat ein Forscherteam um Valerio Poggiali ein genaueres Profil des Sees erstellt, der bislang wenig erforscht war, obwohl er etwa 80 Prozent der Flüssigkeit auf Titan enthält und sich damit für eine Untersuchung geradezu aufdrängt. Radarmessungen der an einem Mündungsgebiet gelegenen Bucht Moray Sinus ergaben eine Tiefe von 85 Metern. Die tiefsten Stellen des Sees schätzen die Forscher auf etwa 300 Meter – locker ausreichend für eine Tauchfahrt.

Hier blicken wir nicht auf die finnische, sondern auf die titanische Seenplatte.
Foto: REUTERS/NASA/JPL

Eine kleine Überraschung brachte die Untersuchung der Flüssigkeit im See – und zwar gerade deshalb, weil sie keine neuen Daten erbrachte. Mit einer Zusammensetzung von 70 Prozent Methan, 14 Prozent Ethan und 16 Prozent Stickstoff entspricht Kraken Mare dem nächstgrößeren See Ligeia Mare, der schon vorher analysiert worden war. Weil Kraken Mare in einer wärmeren Klimazone liegt und eine riesige Oberfläche hat, waren Forscher eigentlich davon ausgegangen, dass das Methan zu einem viel größeren Teil ausgedampft sein müsste.

Für eine Erkundung per Tauchboot ist nicht nur wie auf der Erde die Kenntnis der Topografie notwendig. Auf Titan gilt es auch zu wissen, durch welche Art von Flüssigkeit man sich bewegen und Sonarsignale schicken muss. Poggiali ist jedenfalls davon überzeugt, dass es irgendwann in der Zukunft zu einer solchen Expedition kommen wird. (red, 13. 2. 2021)