Polizisten stellen sich gegen den Militärputsch.

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Demonstranten in Yangon.

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In Myanmar scheint aktuell kein Ende der Konflikte in Sicht.

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Der Widerstand gegen die Militärjunta in Myanmar geht ungeachtet des gewaltsamen Vorgehens der Streitkräfte gegen die Demonstranten weiter. In der Hauptstadt Naypyitaw folgten neben Ärzten, Lehrern und Bahnarbeitern am Mittwoch auch hunderte Regierungsangestellte der Bewegung des zivilen Ungehorsams. Die Polizei hatte am Dienstag Wasserwerfer eingesetzt und mehrfach in die Luft geschossen, um die Proteste aufzulösen. Es gab mehrere Verletzte.

Frau lebensgefährlich verletzt

"Wir können nicht ruhig bleiben", sagte die Jugendaktivistin Esther Ze Naw der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. "Wenn während unserer friedlichen Proteste Blut vergossen wird, dann wird es noch mehr geben, wenn wir ihnen erlauben, das Land zu übernehmen", erklärte sie im Hinblick auf das gewaltsame Vorgehen bei den Demonstrationen am Vortag.

Eine Frau war dabei von einem Geschoß am Kopf getroffen worden. Ein Arzt des behandelnden Krankenhauses in Naypyitaw erklärte laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass sie sich in kritischem Zustand befinde. Ein Projektil sei hinter ihrem rechten Ohr in den Kopf eingetreten, die Patientin habe wichtige Gehirnfunktionen verloren. Laut der Menschenrechtsorganisation Fortify Rights ist die 19-Jährige bereits hirntot.

Im Bundesstaat Kayah im Osten des Landes marschierte eine Gruppe Polizisten in Uniform gemeinsam mit Demonstranten. Medienberichten zufolge trugen sie ein Schild mit der Aufschrift: "Wir wollen keine Diktatur."

Scharfe Munition eingesetzt

Ein von der Nachrichtenagentur Reuters verifiziertes Video zeigt die Frau gemeinsam mit anderen Demonstranten in einiger Entfernung zu Polizisten. Dann sind mehrere Schüsse zu hören. Die Frau, die einen Motorradhelm trägt, bricht plötzlich zusammen. Auf Bildern ihres Helmes sieht es so aus, als ob es ein Einschussloch gibt.

Staatliche Medien hatten zuvor berichtet, dass die Polizei Gummigeschoße abgefeuert habe. Der von Human Rights Watch zitierte Arzt berichtet jedoch von einem weiteren Patienten, der wegen Verletzungen mit scharfer Munition im Oberkörper behandelt wird.

Um die Kommunikationswege der Protestierenden einzuschränken, hat sich die Militärführung offenbar Hilfe aus China geholt, wie die Al-Jazeera-Korrespondentin Hnin Zaw auf Twitter berichtet. So soll eine Delegation aus Peking seit Dienstagnachmittag im Land sein, um technische Hilfeleistung bei Internetbeschränkungen zur Verfügung zu stellen. Die Meinungsfreiheit sei in Gefahr, twittert die Journalistin.

Militärputsch löste Proteste aus

Das Militär hatte am 1. Februar geputscht. An diesem Tag hätte das im November gewählte Parlament zu seiner ersten Sitzung zusammenkommen sollen. Das Militär hat das Wahlergebnis, das einen deutlichen Sieg für die Nationale Liga für Demokratie (NLD) der De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi bedeutete, nicht akzeptiert. Mit dem Putsch wurde der erst vor wenigen Jahren eingeleitete Demokratisierungsprozess gestoppt. Der Umsturz und Suu Kyis Festnahme lösten die größten Proteste seit mehr als einem Jahrzehnt aus.

Die Forderungen der Demonstranten gehen jetzt über die Umkehr des Putsches hinaus. Sie streben nun die Abschaffung der Verfassung von 2008 an, die unter der Aufsicht des Militärs ausgearbeitet wurde. Demnach hat das Militär ein Vetorecht im Parlament und besetzt automatisch mehrere Ministerien. (APA, red, 10.2.2021)