Paketzusteller sind dazu verpflichtet, zumindest einen Zustellversuch zu unternehmen. Das passiert bei DPD aber nicht immer, heißt es in einer Fülle von Beschwerden.

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Seit Herbst häufen sich die Beschwerden über den Paketzusteller DPD Austria. Das Problem: Die Zustellung werde nicht einmal versucht, sondern das Paket lande direkt in einem Paketshop, obwohl die Empfänger – nicht zuletzt wegen der Corona-Ausgangsbeschränkungen – nachweislich zu Hause gewesen seien, hieß es am Freitag von der Arbeiterkammer (AK) und der Regulierungsbehörde RTR. Diese vermutet ein größeres Problem, die Post-Control-Kommission (PCK) hat ein Aufsichtsverfahren eingeleitet.

"Im Falle von DPD liegen aufgrund der steigenden Anzahl an Beschwerden innerhalb kurzer Zeit ausreichend Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich bei den nicht erfolgten Zustellversuchen nicht um Einzelfälle, sondern um ein strukturelles Problem handeln dürfte," hieß es in der Aussendung der Behörde. Von Anfang Dezember bis Ende Jänner seien bei der RTR 33 neue Beschwerden zu DPD Austria eingegangen. Auch bei der AK hätten sich die Konsumentenbeschwerden wegen ausbleibender Zustellversuche seit November gehäuft.

Verpflichtung

Dabei seien Postdienstleister aufgrund des Postmarktgesetzes verpflichtet, zumindest einen persönlichen Zustellversuch zu tätigen, erläuterte die RTR. Nur wenn der Empfänger nicht angetroffen werden kann, dürfe eine Hinterlegung im Paketshop erfolgen.

Das Aufsichtsverfahren sei diese Woche von der PCK eingeleitet worden, "um die gesetzeskonforme Paketzustellung für alle sicherzustellen", so die RTR. Man warte nun in einem ersten Schritt auf eine Stellungnahme der DPD Austria, sagte eine RTR-Sprecherin zur APA. Auf Basis dieser werde dann entschieden, ob und welche weiteren Maßnahmen gesetzt werden. Dem Paketzusteller sei für die Stellungnahme eine "angemessene Frist" gesetzt worden.

"Keine offiziellen Informationen"

Vonseiten der DPD hieß es am Freitag auf APA-Anfrage, es lägen dem Unternehmen bisher "keine offiziellen Informationen der RTR bezüglich des Aufsichtsverfahrens" vor. Man könne daher nur allgemein Stellung nehmen. Die Lage am Paketmarkt sei jedoch aufgrund der Corona-Krise "extrem angespannt", hieß es in einem Statement. Die DPD Austria habe im Dezember an Spitzentagen bis zu 400.000 Pakete täglich umgeschlagen. Den bei der RTR gemeldeten Beschwerden wolle man "umgehend nachgehen", sobald detaillierte Informationen dazu bekannt seien.

Aufforderung

Die AK empfiehlt betroffenen Konsumenten, ihre Beschwerde jedenfalls auch bei der RTR zu melden (unter poststreitschlichtung@rtr.at). "Je mehr Beschwerden, desto besser kann seitens der RTR gegen solche Praktiken einzelner Paketzustelldienste – wie DPD – vorgegangen werden", so AK-Konsumentenschützerin Daniela Zimmer. Sie weist aber auch darauf hin, dass die Konsumenten selbst keine Ansprüche gegenüber dem Paketdienst haben, da das Vertragsverhältnis des Paketdiensts mit dem Absender und nicht mit dem Empfänger besteht. (APA, 12.2.2021)