Erst Super-G-Silber, nun Abfahrts-Gold für Corinne Suter.

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Gut unterwegs, für eine Medaille aber nicht gut genug: Ramona Siebenhofer.

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Erst Super-G-Gold, nun Abfahrts-Bronze für eine ob ihrer Fahrfehler leicht verärgerte Lara Gut-Behrami.

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Cortina d'Ampezzo – Die Eidgenossinnen dominieren bei der 46. alpinen Ski-WM in den Speeddisziplinen. Corinne Suter hat im zweiten Damen-Bewerb in Cortina d'Ampezzo bei hitverdächtigen Disco-Beats im Zielraum den zweiten WM-Titel für die Schweiz perfekt gemacht. Die 26-Jährige holte sich am Samstag nach Silber im Super-G in 1:34,27 Minuten die Goldmedaille und avancierte damit zur ersten Schweizer Abfahrts-Weltmeisterin seit Maria Walliser 1989.

Silber ging bei strahlendem Sonnenschein und frostigen Temperaturen überraschend an Kira Weidle, die als einzige Deutsche am Start stand und sich um nur zwei Zehntelsekunden geschlagen geben musste. Nach Gold im Super-G musste sich Mitfavoritin Lara Gut-Behrami mit 0,37 Sekunden Rückstand mit Bronze begnügen. Die 29-Jährige verpasste damit das erste Speeddouble nach Elisabeth Görgls Doppelschlag 2011 in Garmisch-Partenkirchen.

FIS Alpine

Hinter der viertplatzierten Tschechin Ester Ledecka landete mit Ramona Siebenhofer (0,50) die beste Österreicherin ex aequo mit der Schweizerin Michelle Gisin auf Platz fünf. Tamara Tippler belegte wie im Super-G Rang sieben. Mirjam Puchner (1,02) verpasste die Top-10 knapp und wurde Elfte. Christine Scheyer kam nicht über Rang 19 hinaus. Die als Mitfavoritin gehandelte US-Amerikanerin Breezy Johnson rutschte im Mittelteil beinahe aus, kam von der Ideallinie ab und belegte den neunten Platz. Sie lag damit knapp vor der besten Italienerin: Elena Curtoni.

13 Hundertstel an Bronze vorbei

Siebenhofer verpasste Bronze um lediglich 13 Hundertstel. "Ich habe mich gut gefühlt, habe im Super-G-Teil viel Tempo mitnehmen können, dann war ich zu eng, musste nachdrücken, da ging der Speed verloren. Das ist sehr ärgerlich. Es hilft nichts, bei einer WM zählen nur eins, zwei drei. Ich hätte es in der Hand gehabt. Die Strecke liegt mir sehr gut, ich wusste, es ist was möglich. Ich habe zuletzt Vertrauen gefunden im Training und angreifen können", sagte die Steirerin.

Suter hatte 2019 bei der WM in Aare bereits Abfahrts-Silber und Super-G-Bronze geholt. Medaillen in beiden Speeddisziplinen bei zwei Weltmeisterschaften hatte bislang nur die US-Amerikanerin Lindsey Vonn geholt. Im Weltcup hat die 26-jährige Abfahrts-Weltcupsiegerin 2019/20 aus der Schweiz bislang drei Siege verbucht, allesamt 2020. In dieser Saison hat sie die Abfahrt in Val d'Isère gewonnen, war Zweite in der zweiten Abfahrt von Val d'Isère und zweimal Zweite in Crans Montana. "Ich kann es noch nicht ganz realisieren, da müssen mir noch ein paar sagen, dass ich es geschafft habe. Ich muss ein Lob an meinen Servicemann aussprechen, er macht jeden Tag seine Arbeit zu hundert Prozent wie ich auch. Ich konnte heute meine Stärken wieder ausspielen, das hat sich bezahlt gemacht", sagte Suter.

Silber für Musterschülerin

Die einstige Musterschülerin Weidle war die Sensation am Samstag. "Es war ein richtig guter Lauf, die Freude im Ziel war groß. Am Start hatten wir Gegenwind, unten runter war ich mir sicher, das ist mein Teil, da habe ich es wieder gewonnen. Die Medaille von Romed hat auch für mich bissl den Druck weggenommen", sagte die 24-jährige Deutsche, die in der Saison zweimal Fünfte (Val d'Isère und Crans Montana) war, im Weltcup erst zweimal als Abfahrts-Dritte (Lake Louise 2018 und Garmisch 2019) am Stockerl gestanden war.

Gut-Behrami war mit Bronze natürlich nicht rundum zufrieden: "Wenn ich das (Gold und Bronze/Anm.) vor einer Woche als Vorschlag bekommen hätte, hätte ich gleich unterschrieben. Auf der anderen Seite muss man ehrlich sein, wenn ich meine Zwischenzeiten sehe und was ich für Fehler gemacht habe, und ich weiß, dass es ein enges Rennen war, dann ärgere ich mich schon auch ein bisschen. Es ist normal, dass ich mich jetzt so fühle. Ich werde mich sicher nachher freuen. Corinne hat das mehr als verdient", sagte die Bronzemedaillengewinnerin.

Schweiz vor Österreich und Deutschland

Die Schweiz liegt im Medaillenspiegel mit zwei Goldenen, einer Silbernen und einer Bronzemedaille nun komfortabel vor Österreich (Einmal Gold) voran. Deutschland rangiert mit zwei Silbermedaillen auf Rang drei.

Zu den prominenten Abwesenden zählten neben der Slowakin Petra Vlhova, der US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin auch die Italienerin Federica Brignone, die sich bereits auf die Kombination am Montag vorbereiteten. Mit Sofia Goggia fehlte auch die Topfavoritin. Die verletzte Italienerin hatte vier von fünf Saisonabfahrten gewonnen. Auf Seiten des ÖSV fehlten freilich auch mit Nicole Schmidhofer und Nina Ortlieb verletzungsbedingt die beiden stärksten Läuferinnen.

Beachtlich klein war das Starterfeld, nur 31 Damen nahmen das Rennen in Angriff. 30 kamen in die Wertung, lediglich Nevena Ignjatovic aus Serbien schied aus. (Thomas Hirner, 13.2.2021)