Einsame Närrinnen und Narren mögen in der Pandemie trösten: Der Villacher Fasching ist auch an diesem Faschingsdienstag im ORF zu sehen.

Foto: Reuters / Thilo Schmuelgen

Ein Jahr bald tragen wir Masken im Supermarkt, im Büro, im Bus. Viele Menschen, die in diesen Tagen durch die Straßen der Städte ziehen und das zum Spaziergang oder Faschingsumzug erklären, halten das für Narretei. Und dann sollen wir auch noch am Fasching Abstriche machen? (Hier käme bei der Faschingsgildensitzung ein Tusch.)

Faschingskränzchen von mehr als vier Erwachsenen und sechs Kindern aus zwei Haushalten, größere Faschingsumzüge oder Faschingsgildensitzungen vor nicht allein stimmungsvollem Saalpublikum vertragen sich nicht mit Covid-19 und noch weniger mit seinen überaus geselligen Mutationen.

Traditionen pflegen

Aber kann das noch ein besonderes Problem sein nach einem Jahr zum Scheitern verurteilter Kombinationen von Homeoffice, Homeschooling und Kleinkinderbetreuung, von sozialer Distanz zwischen Babyelefant und Faßmann, von geschlossenen Wirtshäusern, Konzertsälen, Clubs und Sportevents zwischen Absage und leeren Rängen?

Schon möglich, sagt die Wiener Psychologin Christina Beran. Denn was ist Fasching für den Menschen? Eine Tradition, und Traditionen zu pflegen könne in solchen Zeiten von Verunsicherung helfen und Struktur geben. Aus psychologischer Sicht schaffe Fasching einen sicheren Rahmen, um sich und Rollen auszuprobieren, andere Seiten zu zeigen, sagt Beran.

Und wenn sich kaum ein virologisch sicherer Rahmen dafür finden lässt? "Einschränkungen unserer Möglichkeiten, unserer Autonomie machen uns immer grantig", sagt die Psychologin. Ihre Zuversicht:_"In uns wohnt eine große Kreativität, uns auszudrücken, auch in veränderten Rahmenbedingungen." Aber ein Hinweis für alle, die Corona-Vorsichtsmaßnahmen für Narretei halten: "Voraussetzung ist, dass wir den nötigen Rahmen anerkennen und die Situation akzeptieren."

Nachsatz: Kindern sei Fasching – im gebotenen Rahmen – "auf alle Fälle zu ermöglichen".

"Fasching nicht mehr so wichtig"

Die Erwachsenen mit womöglich enttäuschter Faschingssehnsucht wiederum erinnert der Kulturwissenschafter Thomas Macho an das Gesamtbild: "Die Alten- und Pflegeheime, die überfüllten Krankenhäuser oder Krematorien, die wir in den vergangenen Monaten immer wieder sehen mussten, lassen den Verzicht auf Faschingsfeiern vergleichsweise leicht verschmerzen." Der Direktor des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften an der Kunst-Uni Linz relativiert auch das Gesamtphänomen: "Faschingsfeiern sind heute nicht mehr so wichtig. Sie erinnern schon seit vielen Jahren nur mehr an ältere Traditionen der spielerischen Vergegenwärtigung ‚verkehrter Welten‘: In diesen Welten war für wenige Wochen erlaubt, was sonst verboten war, etwa die Umkehrung der Herrschaftsordnungen. Schon während der altrömischen Saturnalien mussten die Herren ihre Sklaven bedienen, Frauen durften die Männer unterwerfen, Glücksspiele, erotische Abenteuer und kollektive Berauschung ließen den tristen Arbeitsalltag in den Hintergrund treten."

Das braucht es nicht mehr so dringend, sagt Kulturwissenschafter Macho: "Heute verfügen wir über zahlreiche Möglichkeiten nicht nur des kollektiven Rauschs, sondern auch der Kritik und des Spotts über die Herrschenden, täglich auf den Plattformen sozialer Medien."

Einsame Närrinnen und Narren mag in der Pandemie trösten: Der Villacher Fasching ist auch an diesem Faschingsdienstag im ORF zu sehen, nur ohne Livepublikum aufgezeichnet, und mit ihm Karneval auf vielen Kanälen und Streamingplattformen.

Fasching bis zum Abwinken

Zu Fasching werden die Dritten, also die regionalen Vollprogramme der ARD, traditionell zu Karnevalssendern – erst recht, wenn die Faschingssitzungen ohne Publikum stattfinden müssen und die Umzüge Corona-bedingt ausfallen. Aber nicht nur WDR, NDR oder wie sie alle heißen, mutieren zu Faschingskanälen, auch der ORF lässt sich nicht lumpen: So stand am Samstag die zweite neue Ausgabe von "Narrisch guat" mit den besten Sketches österreichischer Faschingsgilden auf dem Programm (nachzusehen noch in der TV-Thek). Am Dienstag, 16. Februar, folgt um 20.15 Uhr in ORF 2 die aktuelle "Villacher Faschings"-Sitzung, die heuer als reine TV-Produktion unter Einhaltung strengster Sicherheitsvorkehrungen und ohne Publikum produziert wurde.

Am Rosenmontag und Faschingsdienstag, dem 15. und 16. Februar, setzt ORF 3 auf Kabarett und Humor. So gibt es nach sieben Ausgaben der Stand-up-Comedy "Wer lacht gewinnt" (ab 13.05 Uhr), präsentiert von Michael Niavarani und Ossy Kolmann, am Montagabend noch mehr Austro-Humor: Zunächst blickt ORF-3-Moderator Peter Fässlacher in "Fasching mit Nia" (20.15 Uhr) gemeinsam mit Starkabarettist Michael Niavarani auf das Best-of seines Schaffens zurück. Danach ist "Viktor Gernot – Im Glashaus" (21.05 Uhr) und "Thomas Maurer: Tolerator" (22.45 Uhr). Zum Abschluss des Abends zeigt ORF 3 "Klaus Eckel: Zuerst die gute Nachricht" (23.50 Uhr).

Am Dienstag präsentiert Felix Dvorak in sieben Folgen von "Humor kennt keine Grenzen" (ab 13.05 Uhr) Kult-Sketches aus dem Archiv, u. a. mit Ossy Kolmann, Harald Juhnke und Otto Schenk. Im Hauptabend ist die deutsche Kabarettistin Monika Gruber mit ihrem Programm "Zu wahr um schön zu sein" (20.15 Uhr) zu sehen, gefolgt von Andreas Vitásek mit "Austrophobia" (21.50 Uhr).

Auch in Deutschland heißt es wieder Fasching bis zum Abwinken. Im Folgenden sind hier ein paar Programmpunkte:

Montag, 15. Februar:

  • 20.15 Uhr, Das Erste – Karneval in Köln 2021 – Der etwas andere Rosenmontag
  • 20.15 Uhr, SWR – Das Beste aus Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht 2001 – 2020
  • 20.15 Uhr, HR – Das Lustigste aus der hessischen Fastnacht 2021

Dienstag, 16. Februar:

  • 20.15 Uhr, BR – Frech & Frei – Das Beste aus Fastnacht in Franken

Aber auch Fans des Karnevals in Venedig kommen auf ihre Rechnung, denn bis 16. Februar stehen täglich ab 17 Uhr eineinhalb Stunden lang bunte Darbietungen mit Künstlern auf dem Programm. Zu sehen sind sie hier: carnevale.venezia.it. (Harald Fidler, red, 15.2.2021)